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"Mittelprämie" wird ansteigen

Von Rosa Eder

Wirtschaft

Wenn die von der EU geplanten, für Männer und Frauen einheitliche, Versicherungstarife kommen, werden die Prämien steigen. Denn Kunden, für die der neue Tarif teurer ist, werden in ihren alten Verträgen bleiben, und Kunden, für die die Unisex-Prämie billiger wird, werden auf den neuen, billigeren Tarif umsteigen, sagten Versicherungsexperten der UNIQA bei einem Journalistenseminar im steirischen Fohnsdorf.


In der neuen Risikogemeinschaft werde es zu einem Überhang der teuren Risken kommen, die "Mittelprämie" werde daraufhin steigen - zu Lasten der Konsumenten, hieß es.

"Männer und Frauen werden von den Versicherungen nicht diskriminiert, die Preisunterschiede beruhen auf Leistungsunterschieden", betonte UNIQA-Vorstand Karl Unger. Die geschlechtsspezifische Kalkulation ergebe sich rein sachlich aus der unterschiedlichen Lebenserwartung und unterschiedlichen Risikoprofilen, so Elisabeth Stadler, Leiterin des UNIQA-Kompetenzzentrums Lebensversicherung. Frauen müssen mehr für die private Altersvorsorge und für Krankenversicherungen berappen, Männer hingegen zahlen höhere Prämien für Unfall- und Ablebensversicherungen.

Dass bei den Beiträgen zur gesetzlichen Renten- und Krankenversicherung nicht nach Geschlechtern unterschieden wird, liege daran, dass die gesetzlichen Sozialversicherungssysteme auf einem "vorsätzlichen" Umlageverfahren beruhen, private Versicherungssysteme jedoch auf der Bildung von Pools gleichartiger Risiken, führte Stadler aus. Die voraussehbaren Unterschiede in den Leistungen für unterschiedliche Pools führe zu unterschiedlichen Prämien. Daher koste die Kaskoversicherung für einen Mercedes mehr als für einen VW Golf, betonte Unger.

Die Idee für die Unisex-Tarife stammt wie berichtet von EU-Sozialkommissarin Anna Diamantopoulou. Sie will geschlechtsbezogenen Diskriminierungen bei Dienstleistungen ein Ende setzen. Die Diskriminierung der Frauen auf dem Arbeitsmarkt und beim Einkommen seien sozialpolitisch relevantere Probleme, und es wäre besser, wenn sich die EU zuerst einmal darum kümmern würde, so die UNIQA-Experten.