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Mittels Netzwerk zum Job

Von Werner Reisinger

Politik

Migranten zählen bei Jobsuche auf Verwandte und sind dennoch häufiger arbeitslos.


Wien. Migranten und Flüchtlinge haben es nach wie vor nicht leicht am österreichischen Arbeitsmarkt. Wie aus einer am Montag von der Statistik Austria präsentierten Studie hervorgeht, weisen nicht in Österreich Geborene nicht nur eine niedrigere Erwerbstätigenquote auf, sie sind auch häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen (siehe Grafik).

Ein niedriger Bildungsabschluss ist noch immer der Hauptgrund für ein erhöhtes Risiko, arbeitslos zu werden, so der Generaldirektor der Statistik Austria, Konrad Pesendorfer. Niedrig qualifizierte Personen wechseln der vorliegenden Studie zufolge auch öfter den Arbeitsplatz. Nach Geburtsländern betrachtet führen Personen aus der Türkei mit 15,5 Prozent die Arbeitslosenstatistik an, von ihnen sind mehr als dreimal so viele arbeitslos wie bei den in Österreich Geborenen (4,6 Prozent). Von den Migranten aus dem ehemaligen Jugoslawien sind fast zehn Prozent arbeitslos. Interessant hierbei: Die Arbeitslosigkeit bei aus Bosnien stammenden Zuwanderern ist mit 6,7 Prozent nicht signifikant höher als bei in Österreich Geborenen, aus Serbien Zugewanderte sind jedoch mehr als doppelt so häufig von Arbeitslosigkeit betroffen (14,1 Prozent).

Migranten nutzenpersönliche Netzwerke

Die Gründe hierfür ortet Pesendorfer in den unterschiedlichen Zuwanderungsmotiven sowie in kulturellen Faktoren. So würden etwa Geschlechterrollen sowie mangelnde Deutschkenntnisse ausschlaggebend sein, dass Serben es am Arbeitsmarkt schwerer haben. Zudem müsse man unterscheiden, ob eine Gruppe nach Österreich geflüchtet sei, wie das bei den Bosniern Anfang der 90er Jahre der Fall war, oder ob - wie bei den Serben häufig - Arbeitsmigration vorliege. Vor allem die Kinder und Enkel der ehemaligen serbischen Gastarbeiter hätten das Problem der "Heimatlosigkeit", sie seien "nicht wirklich in Österreich angekommen und nicht mehr in Serbien zu Hause", so Pesendorfer.

Am wichtigsten seien jedoch persönliche Netzwerke, die für im Ausland Geborene eine zentrale Rolle beim Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt spielen würden. So hätten laut Studie 45,8 Prozent der im Ausland geborenen Personen ihren Arbeitsplatz mit Hilfe von bereits in Österreich lebenden Freunden oder Verwandten gefunden. Bei der Gruppe der Bosnier seien diese Netzwerke besonders wichtig.

Generell ist die Suche nach Arbeit eine der wichtigsten Motivationen, nach Österreich zu migrieren. Meist werden offene Stellen im Internet oder in Zeitungen gefunden, Initiativbewerbungen oder Anwerbung durch einen österreichischen Arbeitgeber spielen dem gegenüber eine untergeordnete Rolle. Gute Deutschkenntnisse und mitgebrachte Qualifikationen erleichtern den Arbeitsmarktzugang: 36,8 Prozent der im Ausland Geborenen weisen jedoch geringe oder nur durchschnittliche Deutschkenntnisse auf. Über ein Viertel (27,5 Prozent) dieser Gruppe hat nur einen Pflichtschulabschluss, bei türkischstämmigen Personen sind es sogar 64,8 Prozent. Fast ein Viertel der Türken verfügt nur über geringe Deutschkenntnisse.

Fast ein Viertel fühlt sich überqualifiziert

Zuwanderer brechen auch ihre Aus- oder Weiterbildung viel häufiger ab als in Österreich Geborene. Etwa jeder Zehnte zwischen 15 und 34 lässt die Ausbildung wieder sein, über 38 Prozent beenden ihre Lehrausbildung vorzeitig, knapp ein Drittel der Zuwanderer bricht ein begonnenes Studium wieder ab. Noch schlechter als bei autochthonen Österreichern ist es bei Migranten um die Bildungsmobilität bestellt: Während fast ein Viertel (22,5 Prozent) der in Österreich Geborenen keinen höheren Bildungsabschluss als die Eltern erreicht, sind es bei den im Ausland Geborenen fast die Hälfte aller Personen (49,2 Prozent). Laut Pesendorfer wäre vor allem eine entsprechende Frühförderung notwendig, um dem entgegenzuwirken. Das verpflichtende zweite Kindergartenjahr sei ein erster, wichtiger Schritt.

Dennoch fühlen sich viele der Migranten (23,5 Prozent) überqualifiziert für ihre aktuelle Tätigkeit. Dies betrifft besonders Frauen sowie Personen aus dem EU-Ausland.

Kritik am Modell"Asyl auf Zeit"

Die vorliegende Studie lasse auch Schlüsse auf die bevorstehende Entwicklung bei der laufenden Flüchtlingsbewegung zu, erklärte Pesendorfer. Der Integrationsprozess müsse rasch abgewickelt werden, der Spracherwerb sei zentral. Dem Modell "Asyl auf Zeit" kann der Statistiker wenig abgewinnen: "Es ist wichtig, den Leuten von Anfang an reinen Wein einzuschenken und nicht etwas zu planen, wo schon vorherklar ist, dass man es korrigieren wird müssen." Integration hintanzuhalten und auf Rückführungen zu setzen würde soziale Probleme nach sich ziehen.

Pesendorfer sprach sich für allgemeine Qualifikationstests für Zuwanderer aus, es reiche nicht, nur etwaige Bildungsabschlüsse zu überprüfen. Ergebnisse des laufenden Pilotprojekts "Kompetenzcheck" des AMS werden Anfang Jänner präsentiert.