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Mittwoch, wir haben ein Problem

Von Bernhard Baumgartner

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Der Mittwoch beginnt sich immer mehr zum Problemtag von ORFeins zu entwickeln. Nicht, dass die Quoten vor der Reform herausragend waren, aber die neuen Formate am Mittwochabend bringen offenbar nicht, was sie sollen. Zumindest kann man es als Notmaßnahme interpretieren, dass kurz nach dem Start das Versteckte-Kamera-Format "Hast Du Nerven?", in dem Gebührenzahler an die Grenzen des Zusammenbruchs gebracht werden (was angeblich lustig ist), nach hinten verräumt. Dass auch Armin "Es brennt da Huat, Leitln" Assingers nicht einmal bemüht wirkende Hilfe-Sendung keine Purzelbäume schlägt, war jedenfalls den meisten Beobachtern außerhalb des ORF schon vorher klar. Dass die Sendung diesen Mittwoch einer Red-Bull-Doku geopfert wurde, sagt eigentlich bereits alles.

Als angenehme Wohltat entpuppte sich hingegen die unkonventionelle Porträt-Reihe von Mari Lang. Die Sendung zeigt ausgefallene Lebensentwürfe, ohne Scheuklappen, aber auch nicht unkritisch. Am Mittwoch geht es dabei um einen steirischen Konvertiten zum Islam, der nun Salafist ist. Lang beleuchtet die Umstände, unter denen aus dem Steirer Bernd T. der gläubige Moslem Muhammad Siddiq wurde, dessen Frau nur verschleiert das Haus verlassen darf. Mari Lang taucht in den Alltag von Bernd T., begleitet ihn beim Einkauf von Halal-Fleisch, beim Beten in der Moschee und beim Verteilen von Koranen am Wiener Stephansplatz. Trotz des eher unvorteilhaften Sendeplatzes um 23.40 Uhr ist die Sendung das Aufbleiben wert.