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Mo Mowlam erlag ihrem Krebsleiden

Von Rainer Mayerhofer

Politik

Die frühere britische Nordirland-Ministerin Mo Mowlam ist Freitag im Alter von 55 Jahren an den Folgen eines Krebsleidens verstorben.


Mo (Marjorie) Mowlam bekleidete das Amt der Ministerin für Nordirland nach dem Wahlsieg von Tony Blair im Jahr 1997 bis zu ihrer Ablöse durch Peter Mandelson im Oktober 1999. Sie führte die Verhandlungen, die 1998 zum Friedensabkommen mit der irischen Terrororganisation IRA führten, machte sich aber vor allem die protestantischen Unionisten zum entschiedenen Gegner. Zu deren Chef Ian Paisley sagte sie während einer hitzigen Gesprächsrunde - so berichtet es die britische Tageszeitung "The Times" in ihrem Nachruf - sogar einmal "fuck off".

Dabei hat die sehr volksnahe Politikerin, die am 18. September 1949 in Watford, einer kleinen Stadt nordwestlich von London, als Tochter von zwei Postangestellten geboren worden war, ihre Verhandlungspartner lieber umarmt und geküsst. "Wenn du in Nordirland nicht von Mo geküsst worden bist, musst du sehr schnell in die andere Richtung gelaufen sein", spottete einer ihrer Kritiker.

Mowlam, die an der Universität von Durham Anthropologie studiert und an der Universität von Iowa ein Doktorat in Politologie erworben hatte, war der Labour Party und der Transportarbeitergewerkschaft schon als Zwanzigjährige beigetreten und war eine Zeit lang wissenschaftliche Assistentin des linken Labour-Abgeordneten Tony Benn. 1983 unterstützte sie Neil Kinnock bei seiner Kampagne um den Labour-Vorsitz. 1987 gewann sie einen Sitz im Unterhaus, wo sie Nordirland-Sprecherin wurde. 1992 rückte sie ins Labour-Schattenkabinett auf - als Sprecherin für Frauen- und Bürgerfragen.

Als Tony Blair 1997 sein erstes Kabinett bildete, hatte Mo Mowlam gerade eine erste Tumoroperation hinter sich und litt an den Folgen der Chemotherapie. Trotzdem machte sie sich mit viel Optimismus daran, mit der IRA einen Waffenstillstand zu erreichen und Sinn Fein in die Gespräche über die Zukunft Nordirlands einzubinden. Es gelang ihr, ein Klima der Hoffnung aufzubauen, in dem das Karfreitagsabkommen des Jahres 1998 möglich war.

Nach ihrem Ausscheiden aus dem Nordirland-Ministerium übernahm Mowlam die Funktion einer Regierungs-Koordinatorin.

Wegen ihrer Krebserkrankung trat Mowlam bei den Unterhauswahlen im Jahr 2001 nicht mehr für ihren Wahlkreis an. Im Jahr darauf publizierte sie unter dem Titel "Momentum" ihre Memoiren. Mowlam gehörte zu den entschiedenen Kritikern innerhalb der Labour-Party an Tony Blairs Irak-Politik.

Mit ihrem Mann John Norton, den sie 1995 geheiratet hatte, zog sie sich auf eine Farm in Kent zurück. Dort erlitt sie Anfang August einen Sturz infolge der Gleichgewichtsprobleme, mit denen sie nach der Chemotherapie seit Jahren zu kämpfen hatte und kam nicht mehr zu Bewusstsein.