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Möchten Sie 3000 Euro geschenkt bekommen?

Von Christian Ortner

Gastkommentare
Christian Ortner.

Je schlapper die Konjunktur in Europa wird, um so bizarrer und gefährlicher werden die Ideen zu ihrer Belebung.


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In der gewiss nicht ausgeprägt wirtschaftsfeindlichen "Financial Times" erschien dieser Tage ein Leserbrief, in dem sich ein Mitarbeiter des konservativen US-Thinktanks American Enterprise Institute dafür aussprach, massenhaft Geld aus Helikoptern über der Eurozone abzuwerfen. Entgegen dem Anschein dürfte beim Verfassen dieses Leserbriefes kein doppelter Bourbon-
Whiskey in Fassstärke eine inspirierende Rolle gespielt haben, sondern eher eine reichlich skurrile Idee, die unter Ökonomen und in durchaus seriösen Medien derzeit die Runde macht. Demnach möge die EZB einfach jedem Menschen in ihrem Einflussbereich einen Betrag von beispielsweise 3000 Euro aufs Konto überweisen (metaphorisch "aus Hubschraubern abwerfen") - Geld, das sie aus der Luft geschaffen hat. Als Notenbank darf sie das ja, während jeder Bürger, der das auch versucht, wegen Geldfälschung ein paar Jahre hinter Gitter wandert. (Ganz nebenbei: Warum eigentlich?)

Dies, so die Vertreter der eigentümlichen Theorie, würde den privaten Konsum blitzartig steigen, die Konjunktur anspringen und endlich jenes Wirtschaftswachstum entstehen lassen, das der Eurozone so schmerzhaft fehlt.

Dass so etwas mittlerweile Gegenstand der öffentlichen Erörterung ist und nicht dazu führt, dass die Erörternden besachwaltet werden, zeigt erstens die übergroße Ratlosigkeit vor allem der Europäer, denen es nicht und nicht gelingen will, wieder ausreichend Wachstum zu generieren, und zweitens, wie sehr voodoo-ökonomische Heilslehren mittlerweile in den wirtschaftspolitischen Diskurs eingedrungen sind.

An sich ist der Fall ja eher einfach: Dass niemands wohlhabender wird, wenn der Staat oder eine Notenbank Zettel bunt bedrucken, "Geld" nennen und unters Volk bringen, versteht der durchschnittliche Absolvent einer österreichischen Gesamtschule binnen zehn Minuten. Wenn bei gleichbleibendem Angebot von Gütern und Dienstleistungen mehr Geld in Umlauf gebracht wird, dann ist dieses Geld eben entsprechend weniger wert. Wie segensreich diese Methode wirkt, konnte man hierzulande während der Hyperinflation 1923 gut beobachten, aber auch im Zimbabwe des Robert Mugabe, dessen Währung vor einem Jahr offiziell für wertlos erklärt wurde, nachdem ein US-Dollar gegen 35 Quadrillionen Zimbabwe-Dollar gehandelt wurde. Helikopter-Money bei der Arbeit, sozusagen.

Notenbanken können natürlich, wenn globale Finanzkrise ausbrechen wie zuletzt 2008, dabei helfen, den Schaden zu begrenzen und zu verhindern, dass aus einer Wirtschaftskrise eine weltweite Depression mit Massenarmut und Elend wird. Was sie aber weder können noch sollen noch dürfen: eine vernünftige Wirtschaftspolitik durch die Banknotenpresse ersetzen. Das ist noch nie gut gegangen und wird auch niemals gut gehen können.

Dass Europas Wirtschaft nicht ausreichend wächst, liegt an zu hohen Steuern und Abgaben, an zu hohen Schulden, an einer verbreiteten Leistungs- und Unternehmerfeindlichkeit, an teilweise überbordenden Wohlfahrtsleistungen, einer zu geringen Innovationskraft und vielen anderen Gründen. Keines dieser Probleme lässt sich auch nur annähernd dadurch lösen, dass man bunte Zettel druckt und aus dem Helikopter wirft.