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Mode: Ein Laufsteg mit Hürden

Von Peter Kantor

Wirtschaft

Um als Modedesigner in Österreich überleben zu können, braucht es neben Kreativität und einem finanziellen Background auch unternehmerisches Denken, die richtigen Kontakte und Glück. Um aber international erfolgreich zu werden, muss man allerdings die Heimat - wie Helmut Lang, Gregor Pirouzi und Atil Kutoglu - verlassen.


Und selbst dann ist es nicht leicht, über die Runden zu kommen. Viele begabte junge Modedesigner schlagen sich mit Nebenjobs durch, allein um Materialien und gelegentliche bescheidene Präsentationen finanzieren zu können. Keine Rede, vom Beruf oder der Berufung auch leben zu können. Einige wenige haben es geschafft - oder sind zumindest auf dem Weg nach oben.

"Dem Weg von Helmut Lang oder Atil Kutoglu können wir heute schwer folgen", sagt Szene-Jungstar Michaela Mayer. Die beiden Paradedesigner hatten zu ihrer Zeit andere Rahmenbedingungen und konnten zum Teil auch auf Förderungen bauen. Die 1971 geborene Mödlingerin ist eine der wenigen Jungen in der Branche, die sich in Österreich etablieren konnten. Nach der HBLA für Mode- und Bekleidungstechnik machte sich Mayer 1995 selbständig und begann 1997 unter dem Label "Michel Mayer" mit ersten Shows in Wien. Inzwischen ist sie mit ihren Damenkollektionen so erfolgreich, dass sie demnächst auch Männer einkleiden möchte.

Eine Ausnahmeerscheinung in der Szene ist auch das Duo Annette Prechtl und Sandra Thaler. Prechtl und Thaler gründeten 2000 ihr Label "elfenkleid" und fielen gleich mit ihrer ersten Kollektion "Tirol" auf. Nach der Teilnahme an der IMOTA Berlin/Wien und der Auszeichnung mit dem "Pierre Lang Fashion Award" versuchten sie sich 2001 in Paris bei Pret a Porter Messen und heimsten auch gleich den "Look Catwalk-Young-Designer Award 2001" ein. Mayer, Thaler und Prechtl können ein Lied von dem mühsamen Weg nach oben singen: "Anfangs ist es ein Kampf, eine Rennerei ohne Ende", erzählt Prechtl. Sponsoren für eine Show aufzutreiben sei unglaublich schwierig. Ohne Show gehe es aber nicht, man müsse sich präsentieren. Thaler: "Unsere letzte Show haben wir selbst organisiert und damit die Kosten niedrig gehalten. Ein kleiner Blumenladen hat die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, befreundete Models haben für uns unentgeltlich präsentiert." Mayer denkt da schon in anderen Dimensionen: "Meine letzte Show hat mich 100.000 Schilling gekostet und das, obwohl auch bei mir die Models gratis gekommen sind und die Getränke gesponsert waren".

Denn es blieben immer noch Einladungen, Räumlichkeiten und Technik zu zahlen. Trotzdem meint auch Mayer: "Man muss Shows machen, sonst vergessen einen die Leute gleich wieder." In ihrem Fall habe sich der Aufwand gerechnet, der Umsatz in ihrem Shop sei danach stark gestiegen.

Rückblickend geben sich Thaler und Prechtl auch nicht unzufrieden. "Für uns ist ohnehin alles sehr schnell gegangen", so Thaler. "Wir sind erst seit zwei Jahren im Geschäft und hatten mit unseren zwei Kollektionen im Jahr - jeweils Herren und Damen - wahnsinnig viel Arbeit." Jetzt wollen Thaler und Prechtl erst einmal in Österreich noch besser Fuß fassen. Demnächst wird ein Gemeinschaftsatelier bezogen, mittelfristig soll ein Geschäft eröffnet und in ferner Zukunft vielleicht der Schritt ins Ausland gewagt werden.

"Die Lage für junge Modedesigner in Österreich ist schwierig", bestätigt Karin Sawetz, PR- und Marketingfachfrau in Sachen Mode. Sawetz betreibt mit "fashion.at" seit 1996 das erste exklusiv im Internet publizierte Modemagazin in Deutsch und Englisch, weltweit mit mittlerweile mehr als 3 Millionen Seitenaufrufen. Vor kurzem hat sie sich mit der Gründung von "fashionOffice.org" die Internationalisierung österreichischen Modedesigns zum Ziel gesetzt.

"Seit den 80er Jahren hat sich beim Modedesign in Österreich vieles zum besseren gewendet", meint Sawetz. Es gebe immer mehr Sponsoren aus der Wirtschaft, die die Kooperation mit Modedesignern zielgerichteter und professioneller nutzen würden als früher. "Viele Unternehmen haben erkannt, dass sich durch die strategische Zusammenarbeit mit jungen Modedesignern ihr Markenimage festigen und verjüngen lässt", stellt Sawetz fest.

http://www.fashionoffice.org

http://www.fashion.at

http://www.michelmayer.at

http://www.elfenkleid.com