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Mode für Menschen

Von Christina Böck

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Endlich wieder ein Enthüllungsbuch. Carole White, Chefin jener Agentur, die die Supermodels der 90er Jahre betreut hat, hat ihre Memoiren geschrieben. Und sie scheint es zu schaffen, dieser Ära, aus der man jedes Kokain-Spürchen in den In-Clubs von Mailand bis New York persönlich zu kennen meint, so gut dokumentiert sind die Skandale von Naomi, Linda und Co., noch ein paar Extrafacetten herauszupressen. Jedenfalls ist "Have I said too much" ein Kassenschlager. Gut, die durchgesickerten Anekdoten klingen wirklich unterhaltsam. Da müssen Hunde vor "unbekömmlichen" Substanzen gerettet werden, da muss am Bett eines Models gewacht werden, weil es Angst im Dunkeln hat. Und wenn es im Flieger kein Curry aus Lamafleisch gibt, dann setzt es was.

Ja, lang ist’s her. Dieser Tage macht die Modebranche andere Schlagzeilen. Bei der New Yorker Fashion Week lief erstmals ein Model mit Down Syndrom über den Laufsteg. Am Montag folgten gehbehinderte Models mit dem Rollstuhl. Und eine Mustermodemarke engagierte ein Model, das auch nicht den gängigen Schönheitsidealen entspricht: Chantelle Brown-Youngs Haut ist am ganzen Körper fleckig, sie hat die Krankheit Vitiligo. Und apropos Haut: Die stand auch im Fokus eines durchgeschummelten Hochglanzfotos von Cindy Crawford, das das ehemalige Topmodel unretuschiert zeigt. So makellos, wie ein Körper nun mal aussieht mit 48. Ist das nun das lang erwünschte Umdenken in der Mode? Oder sind das nur kurzfristige Tricks einer Branche, die die PR-Tastatur blind beherrscht? Irgendwer wird schon ein Enthüllungsbuch schreiben und uns aufklären.