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Moderne Jeanne d'Arcs sind gefragt

Von Ina Weber

Wirtschaft

Noch immer liegt das meiste Geld in Männerhand, noch immer werden Spitzenpositionen in Österreichs Medienlandschaft von Männern besetzt. Rund 300 Medienfrauen trafen sich am Dienstag zum 7. Österreichischen Journalistinnenkongress im Haus der Industrie in Wien, um dem Thema "Medienfrauen Grenzenlos" nachzuspüren. Die Bedeutung von Karriere wurde durchaus kontrovers beantwortet.


Ein Blick in die Zeitung zeigt, dass Frauen zwar sehr wohl schreiben, dass aber der Inhalt einer Zeitung von Männern geprägt ist. Wie oft Frau in Wort und Bild vorkommt, wurde von der internationalen Organisation GMMP (Global Media Monitoring Project) untersucht. Frauen kamen an einem Stichtag in über 100 Ländern (16. Februar 2005) nur zu 11 Prozent in den "Main News" vor. Bei einer Untersuchung von 10 österreichischen Tageszeitungen lag die Frauenquote quer durch alle Ressorts 2001 bei 17,6 Prozent. Ein erschreckendes Bild für Daniela Schwarz, die mit ihrer Agentur "Die Schwarz" den Kongress perfekt organisierte. Frauen bekämen oft keinen Namen in der Berichterstattung. Frauen würden nach wie vor in einer von Männern dominierten Welt agieren. Maria Schaumayr, neben Frauenministerin Maria Rauch-Kallat und der Industriellenvereinigung, die Initiatorin des Kongresses fand einleitend ermutigende Worte: "die eigene Masche" mache "das beste Netzwerk", die Medien bieten viele Möglichkeiten, man solle diese auch nützen. Dass Netzwerken und das Lernen von Sprachen die Chancen auf Erfolg wesentlich erhöhen, darüber sind sich Medienfrauen einig.

In der Begleitstudie zum Journalistinnenkongress "Europa wird größer, Europa wird anders" gab ein Drittel der 35- bis 45-jährigen Medienfrauen an, keinerlei internationale Ambitionen zu haben. Auch spüren 61 Prozent der 212 befragten Medienfrauen eine Veränderung der Medienlandschaft Europas. Als mögliche Auswirkungen für die eigene Person nannte die Mehrheit laut Studie, dass die Verdienstmöglichkeiten geringer würden.

Für die ehemalige Presse-Redakteurin und jetzige Fachbereichsleiterin am FH Studiengang Journalismus, Anneliese Rohrer, funktioniert Netzwerken besser über die persönliche Ebene. Die Frau solle ihre Scheu überwinden und den persönlichen Kontakt mit Visitenkarte in der Hand suchen. Die Motorjournalistin Elisabeth Pechmann weist darauf hin, wie wichtig es auch für Frauen ist, sich auf dem Fachgebiet der Technik auszukennen, damit ihnen Männer nicht das Blaue vom Himmel erzählen können.

Wenn ich gut und brav bin . . .

Viele Frauen setzen nach wie vor bei Gehaltsverhandlungen auf die Moral statt sich gut vorzubereiten und den eigenen Wert zu thematisieren. Nach dem Motto, wer fleißig arbeitet, wird auch gerecht belohnt werden, warten Frauen auf Gerechtigkeit "und das oft ziemlich lange", meinte die Psychotherapeutin Christine Bauer-Jelinek.

Grenzenloser Einsatz als Sprungbrett?

Für Doris Appel und Silvana Meixner, Redakteurinnen des ORF, steht der Idealismus im Vordergrund. "Ich weiß, was ich geschafft habe, dafür muss ich nicht unbedingt eine leitende Position haben", meinte Meixner. Wenn Bascha Mika, Chefredakteurin der "taz" in Berlin junge, 30- bis 35-jährige Medienfrauen nach ihren Karriereplänen fragt, erhält sie meistens die Antwort: "Soll ich mir das überhaupt antun?". "Na, dann", meinte Mika, dann sind Frauen selber schuld, wenn Männer höhere Gagen bekommen und Frauen von ihnen abhängig bleiben. Frauen sollten auch Mühsal und Stress in Kauf nehmen.

5 Workshops wurden angeboten. Themen wie "Grenzenloses Netzwerken", "Enge Grenzen: Die Spezialistinnen", "Männerdomäne Technik", "Honorare: Selbstbewusst verhandeln" und "Medienrecht: EU-Änderungen" wurden in Gruppen diskutiert und die Ergebnisse anschließend am Podium präsentiert. Lydia Ninz, Mitgründerin des Frauennetzwerkes des "Standard" und Vorstandsmitglied des Medienfrauennetzwerkes, wies auf die Expertinnendatenbank im Internet hin, denn: Wichtig ist für Frauen, die beruflich erfolgreich sein wollen, sich an weiblichen Leitbildern zu orientieren und zusammenzuhalten.