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Möge der Schein nicht trügen

Von Judith Belfkih

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Banken haben schon seit geraumer Zeit ein massives Imageproblem. Die einst seriösen Wächter des Geldes, die hehren Tempel der kapitalistischen Götzen sind spätestens seit der Finanzkrise unter Beschuss der öffentlichen Meinung. Leichtfertig verzockte Gelder armer Sparer und fragliche staatliche Hilfsspritzen stehen im Raum. Von Bad Banks, diversen Pleiten, die ganze Staaten mit sich zu reißen drohen, und umfangreichen Klagen geschädigter Gläubiger gar nicht erst zu sprechen.

Leichtsinnigkeit und Verantwortungslosigkeit stehen im Raum. Banken ist nicht zu trauen, so der Generalverdacht.

Ein großes heimisches Geldinstitut hat jetzt zur Gegenoffensive angesetzt. Und will das Vertrauen der Kundinnen wiedergewinnen. Mit einer ganz klar ersichtlichen Imagekorrektur. Und zwar dort, wo der Kontakt zum Kunden stattfindet. Bei den Kundenbetreuerinnen des Konzerns. Denen wurden nämlich kürzlich Kleidungsvorschriften auferlegt. Vorbei die Zeiten zarter Pastelltöne oder kräftiger Farben. Gedeckte Töne sollen es sein. Grau, Schwarz, Braun. Beige vielleicht noch im Sommer. Ärmellos oder kniefrei ist tabu. Wie schaut denn das aus.

Die Bank leistet großzügig einen Beitrag zur neuen Garderobe. Die Damen bekommen Halstücher, die Herren Krawatten. Eine Woche tragen alle die rote Ausführung, eine Woche die blaue. Mehr Farbe ist nicht.

Dass die neue seriöse Hülle sich auf das geschäftliche Gebaren der Bank auswirkt oder gar Ausdruck einer bereits vorhandenen neuen Branchen-Verlässlichkeit ist, bleibt zumindest zu hoffen.