Zum Hauptinhalt springen

Moldau mit Russland im Weinkrieg

Von Sissi Eigruber

Politik

Russland untersagt Verkauf moldauischer Weine. | Katastrophe für Agrarland Moldau. | Chisinau. Igor Luchianov ist zurückgekommen. "Weil ich meine Heimat liebe und weil ich etwas tun möchte", wie er sagt. Damit gehört Igor zu einer Minderheit.


Rund 600.000 seiner Landsleute haben die kleine Republik verlassen - die wenigsten kehren zurück. In Westeuropa ist der künftige EU-Nachbar - wenn überhaupt - als "Armenhaus Europas" und Quellland des Frauenhandels zur Bedienung süd- und westeuropäischer Bordelle bekannt.

Doch Igor glaubt an sein Land. Dreizehn Jahre lang hat er in den USA in einem Kasino gearbeitet, nun ist er sein eigner Chef. Der Jungunternehmer hat im Süden der Republik Moldau ein Weingut mit 40 Hektar Anbaufläche aufgebaut, das er gemeinsam mit seinem Bruder und seinen Eltern betreibt. "Es dauert ein paar Jahre bis es genug Trauben gibt", erklärt er, aber dieses Jahr soll es so weit sein; im Herbst will er die ersten Flaschen seines eigenen Weines verkaufen.

Gerangel um riesigen russischen Weinmarkt

Die Republik Moldau - so die korrekte deutsche Bezeichnung - war und ist ein Agrar- und Weinland. Dennoch stehen die Sterne für Igor und seinen Wein zur Zeit schlecht, denn zwischen Russland und der Republik Moldau ist der Weinkrieg ausgebrochen: Anfang April haben die russischen Gesundheitsbehörden den Verkauf von Weinen aus Georgien und der Moldau untersagt. Offiziell aus hygienischen Gründen, doch die wahre Ursache dürfte in einem politischen und wirtschaftlichen Streit liegen. "Die Russen haben die Situation in Transnistrien ausgenutzt, um das Importverbot einzuführen", wettert der moldauische Wirtschaftsminister Valeriu Lazar im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Die Republik Moldau sei der größte Weinlieferant für Russland und schon vorher sei versucht worden, den Weinmarkt neu aufzuteilen. Wenige Woche vor dem Weinboykott hat die Republik Moldau eine Regelung erlassen, wonach sich Firmen aus der abtrünnigen, international nicht anerkannten, Republik Transnistrien registrieren lassen müssen. Tun sie dies nicht, bekommen beim Export an der ukrainischen Grenze Probleme.

Wirtschaftlicher Kampf um Transnistrien

Die Lage ist verfahren: Die Republik Moldau liegt zwischen Rumänien und der Ukraine. Das Gebiet (manchmal auch nur Teile davon) gehörten wechselweise zu den beiden Nachbarländern Rumänien und Russland (inzwischen Ukraine). Die Hinwendung zu Rumänien in den frühen 90er Jahren bewog die Oligarchen im mehrheitlich von Ukrainern und Russen bewohnten östlichen Gebiet zwischen dem Fluss Dnjestr und der Ukraine im September 1990 einen eigenen Staat, die "Moldauische Dnjestr-Republik" auszurufen. Seither entzieht sich Transnistrien (deutsche Bezeichnung) der moldauischen Staatsgewalt, gilt als Drogen- und Waffenumschlagplatz, und außerdem als Stützpunkt der russischen Armee. Deren Abzug wurde zwar auf internationaler Ebenen schon vereinbart - allein stattgefunden hat er bisher nicht.

Die wesentlichste Dimension des Konflikts ist eine wirtschaftliche, denn mit der Abspaltung von Transnistrien hat die Republik Moldau den Großteil seiner Industrie verloren, die sich eben jenseits des Dnjestr befindet. Der Moldau bleibt damit praktisch nur mehr die Landwirtschaft. Mit dem Weinboykott hat Russland die kleine Republik mitten ins Herz getroffen, denn der Weinexport nach Russland leistet mit rund 19 Prozent den größten Beitrag zum heimischen Bruttoinlandsprodukt.

Jung-Weinbauer Igor bleibt dennoch optimistisch: Er hofft, das sich das Problem auf politischer Ebene lösen wird, bevor er seine ersten Weinflaschen auf den Markt bringt.

Siehe auch:Nüsse knacken um 1 Euro die Stunde

+++ "Ich heiße Andrej, meine Mama ist tot