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Molterer: "Kein Gesetz ersetzt engagierte Bürger"

Von Erika Bettstein

Wirtschaft

Österreich habe bereits viel zur Forcierung umweltfreundlicher, erneuerbarer Energien unternommen, im Sinne der Nachhaltigkeit müsse aber noch viel mehr getan werden, betonte Bundesminister Wilhelm Molterer bei der Vergabe des "Energy Globe Austria 2001" vergangene Woche im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft: "Dabei geht es um Überlebensfragestellungen", sagt Molterer, der das Engagement von Einzelpersonen ebenso wie von Unternehmen als Grundlage für positive Veränderungen hervorhebt. Die Politik könne nur entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, "denn kein Gesetz ersetzt engagierte Bürger".


Über 1.000 Einsendungen haben den "Energy Globe" zu einem der größten internationalen Energiesparpreise gemacht. Aus Österreich haben rund 300 Projekte am Energy Globe Austria 2001, dem nationalen Wettbewerb, teilgenommen. Als Bundessieger ging der oberösterreichische Landessieger, die Schifabrik Fischer, hervor.

Energie aus Hackschnitzel wird für die Schiproduktion der Weltmarke, mit der u.a. Michael von Grünigen weltmeisterlich unterwegs ist, eingesetzt. Im Stammwerk in Ried/Innkreis wurde eine europaweit einzigartige Biomasse-Heizzentrale gebaut. Aus Holz werden Prozesswärme und -kälte sowie Strom für die Schierzeugung produziert, die pro Jahr erforderlichen bis zu 60.000 Schütt-raummeter Biomasse (Rinde, Hackgut, Sägerestprodukte) werden umweltfreundlich über einen eigenen Bahnanschluss transportiert.

Ökonomie und Ökologie sind vereinbar

Rund 50 Mill. Schilling wurden in die neue Energieversorgung investiert - und auch die Finanzierung ist innovativ: Mittels "Energie-Contracting" plante und errichtete die Linzer Scharoplan die Anlage mit beachtlicher Umweltwirkung: Die Stilllegung der bisherigen, Heizöl betriebenen Anlage bringt eine Reduktion von rund 10 Mill. kg CO2-Emissionen jährlich. "Der Energiesektor beweist, dass Ökonomie und Ökologie vereinbar sind", sagt Molterer. Gerade in der Umweltpolitik klaffe die Theorie-Praxis-Schere weit auseinander, kritisiert er, und nennt die Reduktionsziele von CO2-Emissionen der Umweltkonferenz von Kyoto sowie das Weißbuch der EU-Kommission, das die Verdoppelung erneuerbarer Energieträger festschreibt, als Beispiele. "Da haben wir noch einen weiten Weg vor uns", verweist Molterer auf Verantwortlichkeiten: "Wenn in den Industriestaaten ein Drittel der Weltbevölkerung vier Fünftel der Weltenergie verbraucht, dann muss man auch die Negativeffekte tragen." Die Politik habe nachhaltige, ökologisch und ökonomisch sinnvolle Energielösungen zu ermöglichen, denn: "Früher oder später müssen wir gerade für Fehler im Umweltbereich zahlen" - daher "lieber früher investieren, als Fehler riskieren, die nicht mehr korrigierbar sind". Beeindruckend seien alle eingereichten Projekte, die "eine enorme Breite und Qualität im technischen und kreativen Bereich aufweisen", aber auch von guten Marketingstrategien gekennzeichnet seien, so Molterer.

Als "Best-practice-Modelle" könnten sie Beispielwirkung entwickeln. Wesentlich seien dabei die Einbindung der Bevölkerung sowie Kooperationen auf lokaler und regionaler Ebene. Diesem Profil entspricht der "Murecker Energie-Kreislauf" (Platz zwei in der Österreich-Wertung, Landessieger Steiermark): Bevorzugte Energieträger sind dort Biodiesel und Biomasse, die SEEG-Bioenergie Mureck erzeugt Biodiesel aus Rapsöl und - weltweit erstmals - aus Altspeiseöl. Bauern und Gastronomen werden damit zu Energielieferanten. Vorbildlich ist auch der Energiepark Strasswalchen mit dem Neubau einer Hauptschule und eines Altenwohnheimes (3. Platz österreichweit, Landessieger Salzburg), wo Baubiologie, Klimafassaden, eine Photovoltaik-Anlage, Fassadenkollektoren sowie ein Hackschnitzelheizwerk eingesetzt werden. Burgenländischer Landessieger wurde das Projekt "Graskraft" in St. Martin (Sonnenenergienutzung mit Biogastechnik).

Zukunftsweg als "Biowärme-Installateur"

In Kärnten siegte die Marktgemeinde Winklern (Biomasse-Heizwerk), in Niederösterreich das "Passivhaus" mit extrem niedriger Heizenergiekennzahl der Familie Penka in Rapottenstein vom Architekturbüro Treberspurg, in Tirol das Niedrigenergie-Schirestaurant Masner der Komperdell-Bahnen Serfaus. In Vorarlberg gewann die Gemeinde Langenegg mit massiven Einsparungen durch erneuerbare Energieträger und der "Wien-Globe" ging an den Österreichischen Biomasse-Verband für die Seminarreihe "Wärme aus Holz" für Heizungsinstallateure, die als "Biowärme-Installateure" energiebewusst tätig sein wollen.