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Monarchien

Von Reinhard Göweil

Leitartikel

Die britische Monarchie kostet (ohne Polizeischutz) jährlich an die 40 Millionen Euro. Der Touristenmagnet "Royal Watching" bringt mit Souvenirs jährlich der britischen Wirtschaft an die 400 Millionen Euro Umsatz. Soweit die nüchterne Betrachtung. Die wirkliche Frage indes lautet, ob eine Monarchie im 21. Jahrhundert eine adäquate Einrichtung ist. Die Antwort lautet natürlich: Nein.

Chefredakteur Reinhard Göweil.

Das Relikt aus Zeiten vor der Aufklärung und der bürgerlichen Revolution ist weder demokratisch legitimiert noch irgendwie darstellbar. Trotzdem erfreut sich etwa die Queen riesiger Beliebtheit, während die fehlende demokratische Legitimation den EU-Institutionen gerne vorgeworfen wird. Nun ist die EU - im Vergleich zu jeder Monarchie - ein fast basisdemokratisches Konzept, trotzdem kommt es bei den Menschen anders an.

Zu einem schönen Teil ist dies wohl Nostalgie, Monarchien in Europa sind meist Zeugen einstiger Größe. Die Queen ist heute noch offizielles Staatsoberhaupt von 16 Ländern - recht viel mehr ist vom "Empire" nicht geblieben. Das gilt auch für die spanische Monarchie, für die schwedische, und - weltlich betrachtet - sogar für den Papst. Selbst in Österreich trauern einige den Habsburgern nach, weil Österreich zu deren Zeit vergleichsweise eine Großmacht darstellte.

Die Nostalgie überstrahlt das Faktum, dass diese Monarchien für Tod und Unterdrückung stehen. Sie sind prototypisch für Ausbeutung und Kolonialismus. Niemand wird ernsthaft diese Zeit wieder haben wollen.

Warum erfreuen sich Monarchien also so großer Beliebtheit? Und zwar abseits der Tatsache, dass Kate Middleton einfach schöner anzusehen ist als Jose Manula Barroso. Und selbst Prinz Harry deutlich witziger ist.

Monarchien sind Überbleibsel einer Welt, die überschaubar war. Die Welt des 21. Jahrhunderts ist gefährlich, unsicher und demokratisch. Wir alle können sie gestalten. Das mag viele überfordern. Konstitutionelle Monarchien sind auch aus diesem Grund gefährlich: Viele werden die Queen-Feiern im Fernsehen verfolgen und sich denken: Ach, wie einfach war doch die alte Welt. Ein Trugschluss, der viele nur davon abhält, sich mit Zukunft zu beschäftigen: Die EU sind wir, und wir sind das Volk. Mit solchen Slogans wurde das Joch des Absolutismus abgeschüttelt, und nur mit diesem unbedingtem Willen zur Freiheit wird wohl die Euro-Krise zu lösen sein.