Zum Hauptinhalt springen

Monologe im Weltraum

Von David Axmann

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 21 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Kurzsichtige Weltverbesserer brechen, wenn sie Neuland betreten, alle Brücken hinter sich ab, blicken um sich und ahmen das Nächstbeste, dessen sie gewahr werden, nach. Vorausschauende Qualitätserhalter nehmen auf ihrem Weg in die Zukunft das Beste aus der guten alten Vergangenheit mit. Die Programmgestalter von Ö1 sind glücklicherweise nicht mit Kurzsichtigkeit geschlagen. Deshalb erhalten sie die gute alte Gattung "Hörspiel" am Radioleben, wiewohl es nur eine Minderheit der Zuhörerschaft ist, die Gefallen daran hat und diese noble Erhaltung zu schätzen weiß. Aber Kultur ist ja bekanntlich ein Minderheitenprogramm.

Dass das Hörspiel schon bessere Zeiten erlebt hat, wissen wir, nicht zuletzt dank der Wiederholung alter Studioaufnahmen. Dass Ö1 sich jedoch auch müht, dem Hörspiel eine gute Gegenwart zu schaffen, war am Dienstagabend wieder einmal zu merken: Gesendet wurde eine aktuelle ORF-Produktion, "Die Kapsel" von Michael Hammerschmid, mit Andrea Clausen, Joachim Bissmeier und Wolfram Berger als Weltraumkapsel-

insassen auf dem Rückflug zur Erde. Nun, das ist eine Situation, welche die wenigstens von uns schon am eigenen Leib erfahren haben - da konnten uns also die drei Astronauten viel erzählen, und das taten sie auch, in monologischer Manier breiteten sie Reflexionen, Erinnerungen, Ängste, Ahnungen, Hoffnungen und Sehnsüchte aus . . . im Äther hat jede Weltanschauung einen luftigen Stand. Für die irdischen Zuhörer blieb jedenfalls mehr Empfindungsspielraum als bei einem dahergeflogenen Science-Fiction-Movie.