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Monopolist müsste man sein (Teil 3)

Von Ernest G. Pichlbauer

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Dr. Ernest G. Pichlbauer ist unabhängiger Gesundheitsökonom und Publizist.

Wer mit wenig nicht auskommt, kommt mit viel auch nicht aus! Diese Weisheit sollte man sich zu Herzen nehmen, ehe man das Füllhorn über die Kassen entleert.


Warnung: Sanfte Gemüter sollten jetzt zu lesen aufhören - oder sich damit abfinden, dass Auswandern vielleicht eine Alternative ist.

In Österreich leben gerade einmal acht Millionen Menschen. Für diese wird "ein" Gesundheitssystem organisiert. Wäre es privat, würden sich viele Versicherungen am Markt tummeln. Da es aber ein öffentliches und noch dazu ein Pflichtsystem ist (niemand kann sich seine Versicherung aussuchen), sollte man denken, wäre eine deutlich geringere Zahl an Versicherungen, vielleicht auch nur eine, nötig. So ist es aber nicht. Hierzulande wird die Bevölkerung in mehr als 20 Krankenkassen und mehr als 60 Krankenfürsorgeanstalten organisiert.

Jede Institution hat Obleute. Diesen zur Seite werden (bis zu 27!) Stellvertreter gestellt. Die Arbeit erledigen Direktoren und deren Stellvertreter. Wer glaubt, dass es sich bei dieser Führungsgilde um Fachleute handelt, irrt. Um in diese Kreise vorzudringen, ist Kompetenz unnötig, sehr wohl jedoch die richtige Abstammung.

Wenn man in der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) etwas werden will, sollte (muss) man SPÖler und GPA-Funktionär sein, bei der OÖGKK dagegen Metallergewerkschafter, bei der Kasse der Beamten natürlich ÖVPler und Funktionär der Beamtengewerkschaft, bei der Kasse der gewerblichen Wirtschaft Wirtschaftsbundfunktionär und bei der Sozialversicherungsanstalt der Bauern idealerweise seit Generationen Bauernbündler - alles Erbpachten.

Dass da nicht gerade große Ehrlichkeit, sondern partei- und klientelpolitische Raison regiert, sollte nicht verwundern. Ja, man sollte nicht einmal überrascht sein, dass das Wort Patient eine nur untergeordnete Rolle spielt.

Wer sich gefragt hat, warum die Prognosen der Kassen in den letzten Jahren immer falsch waren, dem sei erklärt, dass sie kein Planungsinstrument haben, das auf demographische oder medizinische Veränderungen eingehen könnte. Das Einzige, was Kassen gerne tun, ist verhandeln. Vorausdenken oder gar kunden-/patientenorientiert gestalten, ist nicht das Ihre, sind sie doch alle primär Gewerkschafter. Die Kassen warten darauf, dass der Bund (möglichst viel) Geld gibt. Wie das dann verteilt wird, das verhandeln sie alleine mit den eigenen Unterorganisationen und den Ärztekammern.

Die Ärztekammern sind Interessenvertretungen und ebenfalls alles andere als demokratisch legitimiert. Man muss sich vorstellen, dass der derzeitige Präsident, beziehungsweise dessen Fraktion, gerade einmal von 1500 Ärzten gewählt wurde und nun so tut, als ob er für alle Österreicher reden darf. Auch die Ärztekammern sind nicht daran interessiert, das Gesundheitssystem zu gestalten (in den letzten 15 Jahren wurde von ihnen kein einziger Reformvorschlag der Regierung befürwortet), sondern nur daran, über (möglichst viel) Geld zu verhandeln. Aber wer kann ihnen das auch verdenken.

Wen wundert es, dass mittlerweile jede Kasse eine eigene Klasse bildet und schon lange keine Gleichheit mehr zwischen den Pflichtversicherten besteht. Was ein Niederösterreicher bekommt, das wird möglicherweise dem Wiener bereits verweigert. Wer Beamter ist, kriegt möglicherweise eine bessere Behandlung, weil seine Kasse für die gleiche Leistung mehr bezahlt als die OÖGKK.

Als Mediziner, Gesundheitsökonom und, viel wichtiger, als Demokrat bin ich dafür, dieses Kassenmonopol eher abzuschaffen, als immer weiter Geld hinein zu stecken. Darauf, meine ich, hätten die Menschen in diesem Land ein Recht.