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Monti für große Koalition

Von Rainer Mayerhofer

Politik
Mario Monti sieht sich als Reformator.
© aadp/Ravagli

Debatte um Prodi als künftiger Präsident im Wahlkampffinale.


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Rom. Italiens amtierender Regierungschef Mario Monti befürwortete am Dienstag in einem Interview nach den Wahlen eine große Koalition, um die Probleme seines Landes lösen zu können. Er wies darauf hin, dass er auch schon früher dafür eingetreten sei, als diese Regierungsform noch als Fluch galt, obwohl es selbst in Deutschland eine solche Regierung gegeben habe. Monti, der am Dienstag im sizilianischen Catania von Demonstranten ausgepfiffen wurde, die ihm vorwarfen, dass Italien sterbe und er sich nicht darum kümmere, meinte, dass der Geist einer breiten Koalition gut für das Land wäre. Dazu beitragen könne eine Aufteilung der höchsten Staatsämter.

In diesem Zusammenhang äußerte sich Monti, der schon mehrmals für die Funktion des künftigen Staatspräsidenten genannt worden war, auch über die Chancen Romani Prodis, Nachfolger von Giorgio Napolitano zu werden, dessen Amtszeit im Mai abläuft. Prodi habe viele Verdienste für dieses Amt vorzuweisen, sagte Monti, ihm gefalle aber die Idee, dass eine Frau künftig dieses Amt bekleiden soll, wie seit vielen Jahren verlangt wird. Namen wollte der scheidende Regierungschef aber keine nennen.

Monti konnte sich aber auch einen kleinen Seitenhieb auf den vermutlichen Wahlsieger Pier Luigi Bersani von der Demokratischen Partei (PD) nicht verkneifen. Dieser habe zwar Regierungserfahrung, aber bisher vielleicht nicht viel internationale Erfahrung. Aber wenn Bersani künftiger Regierungschef werde, werde er es verstehen, seine Verantwortung wahrzunehmen, schwächte Monti ab, der aber zugleich unterstrich, dass er sich nicht dazu verurteilt fühle, mit der Linken zu regieren. "Wir haben nichts gemeinsam mit der Linkskoalition, so wie wir nichts gemeinsam mit der Rechten haben."

Bersani dementiert Spekulationen um Prodi

Bersani dementierte Spekulationen, dass das Erscheinen Romano Prodis bei der Großveranstaltung seiner Koalition in Mailand am Wochenende ein Hinweis darauf sei, dass dieser für das Amt des Staatspräsidenten vorgesehen sei. Der Spitzenkandidat der Mitte-Links-Koalition bekräftigte die Haltbarkeit seiner Koalition mit dem Führer der ökologischen Linkspartei SEL von Nichi Vendola, hielt sich aber auch die Verbindung zu Monti offen. "Wir werden auch mit ihm reden."

Bersani kündigte eine Konfrontation mit der 5-Sterne-Bewegung von Beppe Grillo im Parlament an und warf Grillo antidemokratisches Verhalten vor. "Grillo antwortet auf keine Frage", kritisierte Bersani, der dem Starkomiker ins Stammbuch schrieb, dass man auf Trümmern nicht gewinnen könne. "Auf Trümmern fühlt sich nur der wohl, der das Geld hat."

Vor Grillo warnte auch Silvio Berlusconi, in dessen Lager die Sorge darüber wächst, dass der populistische Politiker, der nach Meinung politischer Beobachter derzeit wieder im Aufwind ist, wichtige Stimmen wegnehmen könnte. "Wer Grillo wählt, wird eine Bande von Linksextremisten im Parlament finden, die das Parlament balkanisieren werden", warnte Berlusconi. Im Falle eines Sieges des Mitte-Links-Lagers würden die Italiener entweder Romano Prodi oder Massimo D’Alema als Präsidenten bekommen, meinte Berlusconi.

Sorgen wegen Kälteeinbruch an den beiden Wahltagen

Da für das Wochenende ein Kälteeinbruch mit Schneefällen bis in die Niederungen vorausgesagt wird, sorgt man sich in den Parteihauptquartieren um die Wahlbeteiligung. Eine niedrige Wahlbeteiligung könnte der Rechten nützen, wird spekuliert. Erfahrungen hat man allerdings keine, da bisher Wahlen immer in der warmen Jahreszeit stattfanden.