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Morbide Brandruine

Von Francesco Campagner

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Neu gegen Alt oder Architektur gegen Archäologie hieß es am Montagabend im "Treffpunkt Kultur" in ORF 2. Sollen die Sofiensäle bzw. das, was von ihnen noch vorhanden ist, abgerissen oder wiederaufgebaut werden?, so lautete die Frage. Die Experten sind sich - wie immer - nicht einig, die breite Öffentlichkeit genau so wenig. Im Fernsehen war man beim Anblick der Überreste erschüttert. Den vor der Kamera agierenden Architekten leuchteten beim Inspizieren der Brandruine allerdings die Augen. Die Freude über die Möglichkeit, aus dem Brandopfer Neues entstehen zu lassen, Altes zu rekonstruieren oder zu erhalten, konnten die anwesenden Herren nicht verbergen. Die Diskussionen allerdings zeugten dann abseits jeglicher Nostalgie von gehörigem Pragmatismus.

Gegen den 1:1-Wiederaufbau sprachen sich zwar alle aus, beim Thema Erhalten schieden sich die Geister. Dabei erwähnte ein Diskutant immer wieder als Reizvokabel das Wörtchen "morbid". Wien sollte, so seine Ansicht, nicht wieder morbid werden. Doch wirklich schöne Städte wie etwa Venedig haben ihren besonderen Flair durch eine gewisse Portion an Morbidität. Wer schon einmal eine ausländische Dokumentation über Wien gesehen hat, wird sich wundern, wie die österreichische Metropole als Weltuntergangsstadt porträtiert und geschätzt wird. Ein bisschen Altertümliches sollte sich Wien deswegen durchaus erhalten, nicht nur den Touristen zuliebe.