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Morgähnstunden-TV

Von Andreas Rauschal

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Wer morgens nicht aufsteht wie der sprichwörtliche Wirbelwind, sondern es lieber mit Kurt Sowinetz hält - "alle Menschen san ma zwider. . ." -, wird auf die Erweckungsangebote aus Radio und TV tunlichst verzichten. Sechs Uhr Früh bedeutet naturgemäß: Gute Laune und übermotiviert auf dem Spaßpedal stehende Moderatoren mit Hang zur Weltumarmungsgeste sind entschieden zurückzuweisen.


Wird der Fernseher trotz alledem aufgedreht, so will auch Puls 4 den Morgenmuffel in uns nicht akzeptieren. Das hiesige Frühstücksformat "Café Puls" surft frohgemut auf der Feel-Good-Welle. Über Veranschaulichungsangebote wie Katy Perry, David Beckham und Courtney Love geht es um Themengebiete wie Society, Gossip und schlechter Geschmack. Zum Tageshoroskop gesellen sich lustige Tiervideos, davor, dazwischen und danach weiß man nicht, ob die Werbung das Format unterbricht oder umgekehrt. Trotz gut gemeinter Rubriken wie der Presseschau und zwei, drei Literaturtipps bleibt es bei Infohappen und Schonkost.

Das ZDF-"Morgenmagazin" hingegen entführt bereits in den Alltag. Am Dienstag wurde etwa "Stuttgart 21" ergiebig und unter Berücksichtigung alternativer Blickwinkel betrachtet - wie wird der Konflikt etwa im Web 2.0 ausgetragen? Und auch der kritisch-satirische Beitrag über Louis von Gaals Personalpolitik beim FC Bayern überraschte vom ORF-Sport Sozialisierte mit ungewohnter Schärfe.

Bereits am Montag musste sich Josef Hader als Studiogast folgende Frage gefallen lassen: "Strengen Sie sich jetzt eigentlich an, relativ dialektfrei zu sprechen, oder sprechen Sie immer so?" Das "Morgenmagazin" im ZDF ist in jeder Hinsicht die unterhaltsamere Option.