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Moschee von Frauen für Frauen

Von Alexander U. Mathé

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In England bringen Muslimas frischen Wind in den Islam.


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Bana Gora setzt sich für Frauenrechte im Islam ein. Die strengen Regeln, wonach Frauen Moscheen durch den Hintereingang betreten und abgetrennt von den Männern beten müssen, sind ihr zuwider. Die Britin hat daher einen Plan gefasst: Eine Moschee zu schaffen, in der Frauen das Sagen haben. "Im vergangenen Jahr haben wir uns in vielen Moscheen genau umgehört und herausgefunden, dass sie nicht immer adäquat für Frauen waren", sagte die Chefin des "Muslim Women’s Council" der Zeitung "Telegraph & Argus". "Anstatt einfach nur zu jammern, haben wir beschlossen, etwas zu tun."

Auch wenn in Ländern wie Afghanistan, Usbekistan, Libanon oder Sudan solche Projekte bereits realisiert wurden, so sind Moscheen für Frauen in der islamischen Welt doch selten. Tradition haben sie lediglich in China, wo Frauen seit 300 Jahren eigene Moscheen nur für sich haben. Doch das ist gar nicht Goras Konzept. Es geht ihr nicht darum, Männer auszuschließen, sondern darum, einen Ort zu schaffen, in dem Frauen nicht gerade einmal so toleriert werden, wie es so oft der Fall ist. "Die Distanzierung der Frauen hat tiefgreifende Auswirkungen auf die jüngeren Generationen, denen man beibringt, dass der Islam Frauen und Männer geistig gleichstellt.

Die Praxis, Männer und Frauen in den Moscheen zu trennen, widerspricht diesen Prinzipien", sagt Gora. Die Moschee soll gemischt sein und zwar in jeglicher Hinsicht: Nicht nur Frauen, Männer und Kinder, auch Schiiten und Sunniten sollen hier Seite an Seite beten. Das tägliche Gebet soll allerdings eine weibliche Vorbeterin leiten. Entstehen soll diese Moschee in Bradford in der englischen Grafschaft West Yorkshire bis zum Jahr 2018. Die Finanzierung sollte bis zum September stehen. In der Zwischenzeit dürfte sie sich allerdings mit ziemlicher Sicherheit einigen Kontroversen stellen. Denn konservative Kräfte, die das Bild von Frauen propagieren, die lediglich zu Hause beten, werden sich gegen diese Strömung stellen, in der sich Frauen von den verzopften kulturellen und sozialen Normen befreien. Doch dieser Trend greift um sich. In den USA hat im Februar in Los Angeles die erste Frauenmoschee ihre Pforten geöffnet.

In den Niederlanden gab es bereits eine Moschee, die von Frauen geleitet wurde und wo auch auf Holländisch gebetet wurde. Allerdings wurde diese Moschee 2010 aus finanziellen Gründen eingestellt. Bana Goras Moschee soll sich nicht nur auf das Beten beschränken. Dort soll es Hilfestellung im Scheidungs- oder Trauerfall geben, Rechts- und Elternberatung. Auch eine Armenausspeisung für Obdachlose ist geplant. Letztlich sollen britische Muslime in einem neuen Geist unterrichtet werden und damit soll gleichzeitig den Problemen der Radikalisierung begegnet werden.