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Mount McKinley wird Denali

Von WZ-Korrespondent John Dyer

Politik

US-Präsident Barack Obama ändert offiziell den Namen des höchsten Bergs Nordamerikas.


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Juneau. Der Mount McKinley heißt nicht mehr Mount McKinley. Der höchste Berg Nordamerikas wurde in Denali umbenannt. Das kommt aus der Sprache der Athabasken-Indiane und bedeutet so viel wie "der Große". Dass das jetzt so ist, dafür hat US-Präsident Barack Obama persönlich gesorgt und damit einen Schlussstrich unter einen jahrzehntelangen Streit gesetzt. Der ursprüngliche Name ist in Alaska seit Jahrzehnten amtlich und praktisch jeder nutzt ihn. Im Rest der USA war die offizielle Bezeichnung aber seit mehr als 100 Jahren Mount McKinley.

Seit 1975 versuchten Politiker aus Alaska, dem Berg seinen traditionellen Namen zurückzugeben, scheiterten jedoch vor allem am Widerstand Ohios. Von dort kommt nämlich der 1901 erschossene Präsident McKinley, nach dem der Berg benannt wurde.

Themen wie die Ölförderung vor den Küsten Alaskas und der dort schon stark sichtbare Klimawandel traten hingegen beim dreitägigen Besuch Obamas vorübergehend zurück. Bei seiner Ankunft in Alaska stand der Protest der Gegner von Ölbohrungen in Küstennähe im Zentrum.

Die Aktivistengruppe Credo protestierte gegen die vom Präsidenten genehmigte Ölsuche in der Chukchi See vor der Nordwestküste. Schon im Vorfeld war Obama auf die zu erwartende Kritik eingegangen: "Unsere Wirtschaft muss sich noch auf Öl und Gas stützen. Solange das der Fall ist, sollten wir auf die heimische Produktion statt auf Importe zurückgreifen." Er teile die Befürchtungen der Menschen über das Offshore-Bohren. Denn er erinnere sich sehr genau an die Ölverschmutzung durch die BP-Bohrinsel im Golf von Mexiko. Aber die Sicherheitsstandards in den USA seien sehr hoch.

Alaska leidet unter Ölpreis

Bei Obamas Begegnung mit der Regierung von Alaska steht Öl im Mittelpunkt. Denn Öl ist wichtig für Alaska und seine Wirtschaft. Der Zusammenbruch des Ölpreises, der sich in einem Jahr auf rund 40 Dollar pro Barrel halbiert hat, bringt tiefe Auswirkungen auf den Bundesstaat.

"Ich werde ihm die Zahlen über die entlassenen Mitarbeiter vorlegen, die Polizisten, die wir entlassen haben, die Polizeistationen, die wir schließen mussten, und die nagelneuen Hubschrauber, die wir einlagern müssen, weil wir es uns nicht leisten können, sie zur Suche und zur Rettung einzusetzen", sagte Alaskas Gouverneur Bill Walker. Der Parteilose fügte hinzu: "Das ist die Wirklichkeit."

Walker hat auch die Rolle des US-Militärs in Alaska auf seinem Gesprächszettel. Denn das Militär ist in seinem Bundesstaat ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Im Kongress hat Präsident Obama ein Abkommen über Reduzierung der Staatsausgaben erzielt. Und die setzt er nun unter anderem durch Kürzungen bei den in Alaska stationierten Streitkräften um.

Das stößt auf Kritik. Denn zeitgleich bauen die Russen auf der anderen Seite der Beringstraße zwischen Amerika und Asien ihre militärische Präsenz aus, um Ansprüche auf Öl und Gas unter dem Meer zu untermauern. Die USA haben einen 50 Jahre alten Eisbrecher in der Region. Die Russen haben sechs moderne, atomgetriebene Eisbrecher. Moskau hat die Wiederöffnung eines Marinestützpunktes dort angeordnet sowie die Einrichtung von zehn Such- und Rettungsstationen. "Einiges von dem, was sie tun, sollten die USA auch machen", sagt Robert Papp. Der frühere Admiral ist im Außenministerium Berater für Fragen der Arktis.

Trotz Kritik beharrt Obama darauf, dass der Klimawandel im Zentrum seines Alaskabesuchs stehe. Das Weiße Haus sieht ihn als Vorbereitung auf den UN-Klimagipfel in Paris im Dezember. Der Präsident wird sich die Auswirkungen des Temperaturanstiegs auf Küste und Gletscher ansehen, mit Lachsfischern sprechen und Kotzebue besuchen, eine Stadt in Nordalaska, deren Existenz durch den steigenden Meeresspiegel bedroht ist. Wildhüter berichteten kurz vor dem Präsidentenbesuch, dass 6000 Walrosse an Land gekommen seien, weil ihnen das Meereseis, auf dem sie normalerweise leben, weggeschmolzen sei. Der Klimawandel sei ein "Problem hier und heute", sagte Obamas Klimaberater Brian Deese dazu.