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Mugabe ignoriert USA und UNO - Südafrika könnte Tyrannei beenden

Von Michael Schmölzer

Analysen

Mit großer Brutalität hat Simbabwes Staatschef Robert Mugabe wieder einmal sein Ziel erreicht. Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen im März wurde er von seinem Widersacher Morgan Tsvangirai noch auf den zweiten Platz verwiesen. Jetzt, wenige Tage vor dem entscheidenden zweiten Urnengang am Freitag, hat der Oppositionskandidat endgültig das Handtuch geworfen: Eine Fortführung des Wahlkampfs sei angesichts der Gefährdung von Menschenleben unverantwortlich, erklärt Tsvangirai.


Der Rückzieher des als furchtlos Bekannten ist in der Absicht erfolgt, den internationalen Druck auf Mugabe zu erhöhen. Dem Chef der Bewegung für einen demokratischen Wandel muss in den vergangenen Wochen klar geworden sein, dass der mittlerweile an Altersstarrsinn leidende 84-jährige Mugabe nicht von der Macht lassen wird - Wahl hin oder her.

Eine Intervention von Außen ist tatsächlich eine der wenigen Chancen für Simbabwe, Mugabe doch noch zu dessen Lebzeiten loszuwerden. Die Internationale Gemeinschaft war bisher allerdings hilflos, wenn es darum ging, Mugabe Einhalt zu gebieten. So konnte der Diktator im Jahr 2000 relativ ungestört die weißen Farmer vertreiben, sein Feldzug gegen zehntausende schwarze Oppositionelle in den Folgejahren blieb ebenso ungesühnt.

Jetzt verurteilen UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, die Europäische Union und US-Außenministerin Condoleezza Rice Mugabes undemokratisches Vorgehen aufs Schärfste - beeindrucken lässt sich der Diktator davon aber nicht.

Wirklich gefährlich werden könnte dem greisen Tyrannen nur Südafrika, die wirtschaftlichen Abhängigkeiten sind zu groß. So bezieht Simbabwe beispielsweise einen Hauptteil seiner Elektrizität aus dem Land am Kap. Dass der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki ebenso wie die Machthaber der übrigen umliegenden Staaten bisher zurückhaltend agiert hat, liegt darin begründet, dass sich diese in gewisser Weise mit Mugabe verbunden fühlen. In Südafrika, Angola, Mosambik und Namibia sind wie in Simbabwe nationalistische Parteien an der Macht, die gegen den Kolonialismus die Unabhängigkeit erkämpft haben und im Verständnis regieren, die Macht auf immer und ewig gepachtet zu haben. Zuletzt haben aber diese Staaten den Druck auf Mugabe immerhin spürbar erhöht.

Als fatal für Mugabe könnte sich schließlich der Umstand erweisen, dass der Tyrann das Land systematisch in den Ruin getrieben hat. Drei von zwölf Millionen Simbabwern sind bereits ins Ausland geflüchtet, im Land grassieren Hunger und Seuchen, die Unzufriedenheit ist groß. Nicht nur der britische Außenpolitiker Paddy Ashdown spricht von der Möglichkeit, dass Mugabe ganz Simbabwe in ein blutiges Chaos stürzt.

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