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Mugabes Landbesetzer zermürben weiße Farmer

Von Jan Raath

Politik

Nach zweieinhalb Jahren des zermürbenden Kampfes um ihre Farm in Simbabwe geben Vince Schultz (57) und seine Frau Monica (58) auf. Nur ein paar Möbelstücke und ein Koffer mit Kleidung werden auf dem Hof im wohlhabenden Banket-Bezirk, rund 100 Kilometer nördlich der Hauptstadt Harare, auf einen Wagen verladen.


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"Ich möchte nur noch Frieden", sagt Schultz, erschöpft im Wohnzimmer eines Nachbarn sitzend. "Selbst wenn die Farmbesetzer dich selbst nicht schikanieren, gibt das verdammte Funkgerät dauernd Alarm, wenn andere Leute belästigt werden. Und die Gerüchte sind das Schlimmste."

Schultz ist einer von fast 200 weißen Farmern, die verhaftet wurden, weil sie sich weigerten, ihre Höfe bis zum 9. August zu verlassen. Insgesamt 2.900 weiße Farmer sind von den Vertreibungen betroffen, die im Rahmen der chaotischen Landreform unter Präsident Robert Mugabe stattfinden. Rund 60 Prozent von ihnen entschlossen sich zum Bleiben. Schultz konnte sogar einen Gerichtsbeschluss vorweisen, der ihm bestätigte, dass die Beschlagnahme seines Landes und die Vertreibungsanordnung illegal sind.

Unfreundlicher Besuch

Doch das interessierte den Polizeibeamten, der ihn am Sonntag vor einer Woche abführte, wenig. "Er sagte, er habe Anweisung mich festzunehmen, und das war's", berichtet Schultz. Als er am folgenden Tag einem Richter in der nahe gelegenen Stadt Chinhoyi vorgeführt wurde, respektierte dieser immerhin die Wirksamkeit des Gerichtsbeschlusses und ließ die Anklage gegen Schultz fallen.

Als er mit seiner Frau vom Gericht nach Hause zurückkehrte, begrüßte ihn auf der Türschwelle Bright Matonga, ein früherer Beamter der staatlichen Propagandaabteilung: "Was machen Sie hier auf meiner Farm?", fragte Matonga den Farmer. Matonga deutete auf eine Gruppe uniformierter Begleiter der berüchtigten staatlichen Jugendmiliz und drohte: "Am Freitag sind Sie hier weg oder ich komme mit einem ganzen Bataillon von diesen Leuten."

Matonga, derzeit Chef einer heruntergekommenen staatlichen Busgesellschaft, war in Begleitung seiner weißen Ehefrau erschienen, die er während eines längeren Aufenthaltes in Großbritannien heiratete. "Die beiden sagten, sie seien gekommen, um alles zurückzuholen, was wir gestohlen hätten", empörte sich der Farmer. Schultz hatte die Farm vor 22 Jahren der Familie seiner Frau Monica abgekauft. Diese hatte das Land 1919 erworben, Monica wurde auf der Farm geboren.

Schultz entschloss sich, den Drohungen zu trotzen. Doch einen Tag vor Ablauf des Ultimatums wurde er erneut zur Polizeiwache zitiert. Dort beschimpften und bedrohten ihn Matonga und der selbst ernannte Kommandant der Farmbesetzer, Joseph Chintotimba, eine Stunde lang lautstark. Schultz und seine Frau flüchteten danach erst einmal an einen sicheren Ort in der Nachbarschaft, um in Ruhe über die weiteren Schritte nachzudenken.

Auf seinen 589 Hektar Land baute Schultz Tabak, Weizen und Bohnen an. Dank eines selbst gebauten Dammes kann die gesamte Farm bewässert werden. Unter einem riesigen Treibhaus züchtete die Farmerfamilie auf sechs Hektar Rosen. "Ich habe wirklich hart gearbeitet, aber es hat mir Spaß gemacht, und es hat sich gelohnt", resümiert Schultz. Die Farm sei in perfektem Zustand, bereit von ihren beiden Kindern übernommen zu werden. "Wir wollten auf der Farm begraben werden." Jetzt weiß das Ehepaar nicht mehr weiter.