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Mühevolle Hilfe für den Irak

Von Martyna Czarnowska

Politik

Während die Zahl der Plünderungen in den irakischen Städten steigt, wird die Unterstützung der Bevölkerung auch für Hilfsorganisationen schwieriger. Eines der Hauptprobleme ist die Lieferung sauberen Wassers, in den Krankenhäusern der Hauptstadt fehlt es an Medikamenten und Material, Hilfslieferungen erreichen nur mit Mühe ihr Ziel. Das Internationale Rote Kreuz (IKRK) hat gestern seine Arbeit in Bagdad vorläufig eingestellt: Ein Rotkreuz-Fahrzeug ist tags zuvor unter Beschuss genommen worden.


Bis gestern früh war Hilfe noch möglich. Doch dann hat das IKRK seine Arbeit in Bagdad vorläufig eingestellt. "Die Lage dort ist zunehmend chaotisch, Bewegungsfreiheit nicht mehr gegeben", berichtet Gerald Czech vom Österreichischen Roten Kreuz. Es sei weder möglich, Verletzte zu bergen noch Krankenhäuser zu versorgen. Es fehlt vor allem an Material für Narkosen; die Stromversorgung wird immer wieder unterbrochen. Mit der Einlieferung zahlreicher Verwundeter gelangen die Spitäler an die Grenze ihrer Kapazität.

Sicherheit ist auch Mitarbeiter-Innen der Hilfsorganisationen nicht garantiert. Trotz der Gespräche mit den Kriegsparteien, damit das Rotkreuz-Emblem als Schutzzeichen anerkannt wird. So ist gestern ein Rotkreuz-Fahrzeug unter Beschuss genommen worden, ein kanadischer Mitarbeiter wird seitdem vermisst.

Hilfslieferungen gelangen nur unter Schwierigkeiten an ihr Ziel. Zwar hat etwa die Diakonie ACT gemeldet, dass sie einen Transport mit Hilfsgütern über Nordsyrien ungehindert in die nordirakische Stadt Mosul bringen konnte. Doch UNICEF-Direktorin Carol Bellamy kritisierte: Trotz der täglichen Hilfskonvois in den Irak, werde der Zugang zu den Frauen und Kindern wesentlich behindert. "Obwohl wir nun viele Orte erreichen können, treffen wir auf Angst und Chaos", erklärte Bellamy.

Eines der Hauptprobleme bleibt die Lieferung sauberen Wassers. Der Zugang dazu - auch für Krankenhäuser ausschlaggebend - sei nur in wenigen Regionen des Landes möglich, teilte die Weltgesundheitsorganisation WHO mit. Laut UNICEF nehmen im Süden des Irak durch verschmutztes Wasser ausgelöste Durchfallerkrankungen bei Kindern ständig zu.

Unterdessen läuft die Wiederaufnahme des UNO-Hilfsprogramms "Öl für Lebensmittel" nur schleppend an. Bisher konnten wegen der Kriegshandlungen noch keine neuen Lieferungen in den Irak geschickt werden.

Die EU-Kommission hat für Soforthilfen weitere 9,5 Millionen Euro freigegeben. Die Mittel sollen über das EU-Amt für humanitäre Hilfe fünf regierungsunabhängigen Organisationen zur Verfügung gestellt werden. Den Hauptteil, fünf Millionen Euro, soll das Internationale Rote Kreuz erhalten.

Japan wiederum will für humanitäre Soforthilfe 100 Millionen Dollar bereit stellen. Tokio hatte bisher 25 Millionen Dollar für Reis, medizinische Versorgung und andere Hilfsmaßnahmen vorgesehen. Nun werden die Mittel aufgestockt. Erdbebenopfer in der Türkei, deren Häuser von Saddam Hussein gestiftet wurden, wollen irakische ZivilistInnen mit Blutspenden helfen.

Nach Ansicht der Witwe des jordanischen Königs Hussein, Nur, müsse die amerikanisch-britische Kriegskoalition im Irak ihre Anstrengungen für humanitäre Hilfe verstärken. "Wir müssen verhindern, dass sich eine ganze Generation in der arabischen Welt radikalisiert", meinte sie gegenüber der dpa.