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Mühlstein Ukraine

Von Karl Leban

Wirtschaft

Quartalsgewinn der RBI halbiert - Verluste bei ukrainischer Tochter steigen massiv an.


Wien. Bei der Raiffeisen Bank International läuft das Geschäft weiterhin alles andere als rund. Das erste Quartal bescherte dem auf Osteuropa spezialisierten Institut zwar einen Gewinn, doch der hat sich mit 83 Millionen Euro gegenüber den ersten drei Monaten des Vorjahres fast halbiert. Die Gründe sind rasch aufgezählt: In der krisengebeutelten Ukraine setzte es einen deutlich höheren Verlust, und in Russland, dem mit Abstand wichtigsten Ertragsbringer, schrumpfte der Gewinn um mehr als ein Zehntel.

Auch für den Rest des Jahres gibt es kaum Lichtblicke. Wie die heimische Großbank am Donnerstag bekräftigte, droht für 2015 ein weiterer Konzernverlust. Nachdem das Kreditinstitut im Vorjahr erstmals in seiner Geschichte negativ bilanzierte (das Minus betrug fast eine halbe Milliarde Euro), ist es nun mit Kosten von 550 Millionen Euro für die - notwendig gewordene - Sanierung konfrontiert. Der Großteil davon wird voraussichtlich noch im laufenden Jahr gebucht werden.

Kapitalschmelzebei Ukraine-Tochter Aval

Um die frühere Cashcow im Raiffeisen-Bankensektor wieder in die Gänge zu bringen, ist unter anderem geplant, das Geschäft in der vor dem Staatsbankrott stehenden Ukraine, aber auch im wirtschaftlich unsicheren Russland deutlich zurückzufahren. Wobei das größte Augenmerk- zumindest derzeit - der Ukraine gilt. Dort hat sich der Verlust im ersten Quartal auf 82 Millionen Euro mehr als verdreifacht, fast jeder zweite vergebene Kredit ist bereits notleidend, und vom Eigenkapital der Tochter Aval ist nicht mehr viel übrig.

Hatte das Eigenkapital per Ende März 2014 noch 618 Millionen Euro betragen, sind es nach dem ersten Quartal 2015 nur noch 89 Millionen Euro. Da mit weiteren Verlusten zu rechnen ist, schloss die Raiffeisen Bank International (RBI) am Donnerstag nicht aus, ihrer ukrainischen Tochter mit einer Kapitalerhöhung unter die Arme greifen zu müssen. Ein Teil des frischen Geldes könnte dabei von der EBRD, der Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, kommen, die - wie berichtet - an Bord der Aval-Bank geholt werden soll.

Anders als in der Ukraine ist die Lage in Russland für die RBI derzeit offenbar weit weniger dramatisch. Dort sank das Ergebnis im ersten Quartal zwar um knapp 13 Prozent auf 95 Millionen Euro, trotz Rezession kam damit aber erneut ein substanzieller Gewinn zustande. Wie in der Ukraine leiden die Giebelkreuzer allerdings auch im russischen Markt unter der anhaltenden Schwäche der lokalen Währung.

Druck von der Bankenaufsicht, weitere Maßnahmen für eine höhere Kapitalisierung umzusetzen, hat die RBI laut eigenen Angaben momentan nicht. Per Ende März lag die harte Kernkapitalquote bei 9,9 Prozent. Erklärtes Ziel ist, sie mit den geplanten Restrukturierungsmaßnahmen bis Ende 2017 auf zwölf Prozent zu bringen. Vor diesem Hintergrund sollen auch Teile des Auslandsgeschäfts verkauft werden, etwa die Banktochter in Polen und die in Slowenien. Aus beiden Märkten will sich die RBI komplett zurückziehen.

Ukraine und Russlandbelasten auch Bank Austria

Mit ihren Problemen in Osteuropa steht die Raiffeisen Bank International nicht alleine da. Auch die Bank Austria, die im Konzern der italienischen Unicredit für diese Region zuständig ist, musste im ersten Quartal einen Gewinneinbruch hinnehmen. Ihr stürzte das Ergebnis um gut 43 Prozent auf 198 Millionen Euro ab - nicht zuletzt wegen Russland und der Ukraine. Besser schlug sich hingegen die Erste Group, die in diesen Ländern nicht präsent ist. Sie hob ihren Quartalsgewinn von 103,3 auf 225,8 Millionen Euro.