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Multikulti im "heiligen Land"

Von Francesco Campagner

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Vier Stunden Fußballvergnügen bot ORF 1 am Mittwoch- abend. Gut, bei FC-Tirol-Fans hielt sich die Freude über das Spiel ihrer Mannschaft in Grenzen, der unbeteiligte Zuseher konnte sich trotzdem an den Wortkaskaden der Herren Seeger und Gabrielli ergötzen. Robert Seeger, besser bekannt als der Mann im Norweger-Pulli, lebt mit seinen Grazern mit und hat Glück. Denn die positive Champions-League-Serie von Sturm lässt jeglichen Kommentar erfreulich klingen, ganz gleich ob dieser vom ORF-Mann oder vom Präsidenten Kartnig höchstpersönlich stammt. Seeger darf sich folglich so viele sprachliche Fehlpässe leisten, wie sie 90 Minuten (plus Nachspielzeit) eines Fußballspiels zulassen.

Ganz andere Voraussetzungen galten gestern für Manfred Gabrielli. Der Mann, dessen Stimme man auf Gedeih und Verderb mit dem FC Tirol in Zusammenhang bringt, hatte es mit seinen Äußerungen schwer. Wie soll man auch ein solch ernüchterndes Spiel kommentieren? Gabrielli entschied sich meist für den typischen Radiokommentar. Mit sonorer Stimme nannte er Namen um Namen, erhöhte die Kadenz und verringerte sie wieder. Als nichts mehr half, entsann sich Gabrielli der Nationalität der Tirol-Gegner. "Eine Multikulti-Truppe" stellte Gabrielli launig fest, und nannte dann die Namen der Tirol-Spieler plötzlich sehr sparsam. Denn mit Kogler, Marasek und Kirchler spielten schließlich auch Gilewicz, Brzeczek und Tschertschessow. Übrigens: das Ehrentor der Tiroler schoss Gilewicz, ein waschechter Tiroler aus Polen.