Zum Hauptinhalt springen

Multikultur am Wasserspielplatz

Von Mathias Ziegler

Politik

Viele Migranten an der "Kinderinsel" in Wien-Rudolfsheim. | Multimediaprojekt und Eltern-Treffen bauen Barrieren ab. | Wien. Wer an den 15. Wiener Gemeindebezirk denkt, dem kommt wohl als erstes der bekanntermaßen hohe Ausländeranteil in Rudolfsheim in den Sinn. Dass die Migranten, die von manchen Österreichern als Bedrohung angesehen werden, in Wirklichkeit eine große Bereicherung bedeuten, das hat das Lehrerteam der Volksschule Selzergasse in den vergangenen zwölf Monaten bewiesen.


Vor genau einem Jahr startete Günter Mik sein "Multimediakultur-Projekt" (MMK), das zwei Schwerpunkte hat: Einerseits geht es darum, den Kindern verschiedenste Formen von Kunst und Medien spielerisch näher zu bringen. Andererseits sieht Mik das Projekt als Beitrag zur Integration innerhalb der Schulgemeinschaft.

Die Mehrzahl der Schüler der "Kinderinsel an der Wasserwelt", wie die VS Selzergasse auch genannt wird, sind nicht in Österreich geboren und haben eine andere Muttersprache als Deutsch. Auch mit diesem Aspekt haben sich Mik und sein Team beim MMK-Projekt auseinander gesetzt - und auch die Eltern mit einbezogen. "So entstand etwa ein Film über Anatolien, zu dem die türkischen Mütter und Väter ihre eigenen Ideen und Erinnerungen eingebracht haben", erzählt der Pädagoge.

Bild ohne Ton - keine Verständnisprobleme

Im Umgang mit verschiedenen Kulturen und Sprachen hat sich einmal mehr gezeigt, wie die Kunst helfen kann, Grenzen zu überwinden. Denn wenn die Kinder gemeinsam Kurzfilme drehen und schneiden, bei denen es etwa darum geht, ohne Ton zu erkennen, welche Geschichte der Darsteller erzählt, spielen Sprachprobleme nicht einmal eine untergeordnete Rolle. Was Direktorin Susanne Göd besonders freut: "Das gemeinsame Gestalten wirkt sich auch positiv auf den Umgang der Kinder miteinander außerhalb des MMK-Projektes aus." Die Frage, ob es an ihrer Schule, wo viele verschiedene Kulturen aufeinander treffen, mehr Spannungen gebe als anderswo, beantwortet sie mit einem entschiedenen Nein. Natürlich gebe es manchmal Streitereien unter den Kindern, "aber das hat nichts mit ihrer Herkunft zu tun".

Reinhold Binder, der Obmann des Elternvereins, kann das nur bestätigen: "Natürlich gibt es kulturelle Unterschiede. Aber wenn bei einer Geburtstagsparty Kinder aus der Türkei, Indien, Pakistan, Polen und den Philippinen gemeinsam herumtollen, ist das überhaupt kein Problem."

Und Binder streut der Frau Direktor Rosen: "Sie und ihr Team begegnen den Kindern mit viel Herz. Und wir Eltern haben das Gefühl, wirklich gehört zu werden." Dazu trägt auch bei, dass sich Göd besonders darum bemüht, die Eltern von Migrantenkindern ins Schulhaus zu bringen: "Alle vier bis sechs Wochen gibt es bei uns ein Jour fix für die Eltern. Und manchmal bleiben die Mütter auch einfach in der Früh bei Kaffee und Kuchen ein bisschen in der Schule."