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Mündige Schule statt Burkini-Verbot

Von Matthias Strolz

Gastkommentare
Matthias Strolz ist Klubobmann der Neos.

Das Schulsystem muss grundlegend verändert werden, damit alle Kinder nach dem Abschluss die besten Chancen haben.


Burka, Burkini bzw. Verbote derselben und Ein-Euro-Jobs sind derzeit die bestimmenden Themen in der Integrationsdebatte. Es sind aber keinesfalls die Themen, die entscheiden werden, ob Integration funktioniert, das heißt: dass Flüchtlinge und Migrant_innen unter anderem Deutsch sprechen, arbeiten und am gesellschaftlichen Leben teilhaben.

Das kann nur mittels Bildung an unseren Schulen gelingen.

Es ist an der Zeit, jahrelang bestehende Probleme endlich anzugehen. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird sich eine Gesellschaft entwickeln, die durch das Schulsystem nur durchgeschummelt wurde. In der Schule lernen Kinder zum ersten Mal, was es heißt, sich in einer Gesellschaft zurechtzufinden. Eine gemeinsame Sprache ist die wichtigste Voraussetzung, um an dieser Gesellschaft teilnehmen zu können. Nun war es schon bisher so, dass ein Fünftel der Kinder nach Abschluss der Schulpflicht nicht richtig lesen und rechnen konnten. Dieser Zustand wird sich durch fremdsprachige Kinder, die erst aufholen müssen, nicht verbessern.

Deshalb braucht es vom ersten Tag an Deutschkurse, die ernsthaft durchgeführt werden, damit kein Kind den Anschluss verliert. Viel wichtiger ist aber, das System grundlegend zu verändern, damit alle Kinder nach dem Schulabschluss die besten Chancen haben. Wir Neos haben deshalb schon vor über einem Jahr ein umfangreiches Konzept vorgelegt, wie Bildung besser funktionieren kann. Das neue System muss den Anforderungen einer vielfältigen Gesellschaft gerecht werden, also modern sein, auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen können und Talente fördern. Gleichzeitig soll es nach neun Jahren ein gemeinsames Level, also eine Mittlere Reife geben, von der aus die Jugendlichen mit den gleichen Chancen ihren weiteren Bildungsweg verfolgen können. Wir als Gesellschaft sollten diese Ziele gemeinsam definieren, dann wären sie transparent und insbesondere für alle Bürgerinnen und Bürger nachvollziehbar. Mit welchem pädagogischen Konzept die Schulen zu dieser Mittleren Reife gelangen wollen, sollen sie frei wählen können - vor allem aber ist ein frei verfügbarer Betrag notwendig, den die Schulen dort einsetzen können, wo es ihrer Meinung nach am dringendsten benötigt wird. Geben wir den Direktorinnen und Direktoren die Verantwortung und das Vertrauen, Gelder sinnvoll einzusetzen. Vor Ort weiß man schließlich am besten, wo Defizite bestehen, die aufgeholt werden müssen. Ob das nun zusätzliche Deutschstunden, vertiefende Angebote oder Schulpsycholog_innen sind, die die Kinder unterstützen sollen - dieses System würden allen zugutekommen, nicht nur Kindern von Zugewanderten. Dann würden sich einzelne Teile der Bevölkerung nicht abgehängt fühlen und sich auf die Suche nach anderen Vorbildern machen, die ihre Hoffnungslosigkeit ausnützen und sie in den Krieg schicken. Dann wären alle in der Lage, für sich selbst zu sorgen, und Neid würde vermindert werden. Gegenseitiger Respekt muss die Grundlage für unser Handeln sein, und diesen Respekt sollen wir allen Menschen vermitteln und weitergeben. Die mündige Schule ist jener Ort, der diese Aufgabe erfüllen kann.