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Murdoch unter generellem Beschuss

Von Alexander U. Mathé

Europaarchiv

England-Chefin Brooks tritt zurück. | FBI ermittelt in Abhör-Skandal.


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London/New York. Die englische Bastion des Medienimperiums von Tycoon Rupert Murdoch ist bereits sturmreif geschossen, doch die Attacken sind dabei, sich zu einem Flächenbrand zu entwickeln. Nach dem Abhörskandal hat Murdoch die Zeitung „News of the World” eingestellt, der Übernahmeplan des Senders British Sky Broadcasting ist gescheitert und er selbst wird sich wohl wegen der Abhörpraktiken seiner Journalisten vor dem britischen Parlament verantworten. Dazu hat die Statthalterin des britischen Tochter-Verlags des Medienkonzerns, Rebekah Brooks, die Konsequenzen aus dem Skandal gezogen und ist am Freitag von ihrem Amt zurückgetreten.

Murdoch ist dermaßen verzweifelt, dass er sich angeblich schon mit dem Gedanken trägt, überhaupt aus dem britischen Markt auszusteigen und seine Zeitungen zu verkaufen.

Doch das Desaster für den weltweit agierenden Medienkonzern hat bereits globale Dimensionen angenommen. In den USA hat sich nämlich die bundespolizeiliche Ermittlungsbehörde FBI an die Fersen der News Corporation geheftet. Der Verdacht: Murdochs Journalisten könnten auch US-Bürger illegal abgehört haben. Ebenso wie nach den islamistischen Anschlägen in London, sollen sie versucht haben, die Handys von Opfern des 11. September in New York anzuzapfen. Die Vorwürfe treffen das Herz der News Corporation, nämlich ihren Firmensitz in New York.

US-Demokraten machen Druck gegen Murdoch

Besonderen Druck bauen demokratische Senatoren auf. Einige von ihnen haben die Einschaltung des US-Justizministeriums sowie der Finanzmarktaufsicht gefordert. Ein Sturz Murdochs käme den Interessen der Demokraten durchaus entgegen. Gehört ihm doch der republikanische Nachrichtensender „FoxNews”, der Präsident Barack Obama und seinen Parteifreunden seit längerem mit kritischer Berichterstattung zu schaffen macht.

Trotz seines Milliardenvermögens und seiner unglaublichen Macht ist das Imperium des Medienzaren durchaus in Gefahr, erklärte der Fernsehexperte Steve Brill. Murdoch könnte die Zulassung in den USA verlieren, da das dortige Mediengesetz vorschreibt, dass Personen, die eine Lizenz führen, einen „guten Charakter” haben müssen. Im Falle, dass die unschönen journalistischen Praktiken in seinen Medien zu ihm zurückgeführt werden können, wäre es damit wohl vorbei.

Auch in Australien, der Ur-Heimat des Wahl-Amerikaners, hat die Regierung gegen Murdoch mobilgemacht. Premierministerin Julia Gillard sagte, sie sei „schockiert und angewidert” von den Abhörmethoden. Sie nutzte die Gelegenheit gleich, um eine Verschärfung der nationalen Medienrichtlinien zu fordern. Ein Ansinnen, das von juristischer Seite zurückgewiesen wurde.

Die Angriffe auf die News Corporation haben sich bereits finanziell niedergeschlagen. Innerhalb weniger Tage verlor der Konzern sieben Milliarden Dollar an Börsenwert, was für Murdoch als Hauptaktionär einen Millionenverlust bedeutet.

Dabei hat Murdoch auch ohne die politischen Anfeindungen genug Probleme.

Nachdem er die 168 Jahre alte „News of the World” eingestampft hat, ist auch die 223 Jahre alte Traditions-Zeitung „Times” angeschlagen. Seit Nutzer ihrer Internetseite für alle Inhalte bezahlen müssen, ging die Anzahl an Klicks auf die einzelnen Artikel um geschätzte 88 Prozent zurück. Sollte sich Murdochs Strategie nicht rentieren, wäre es wohl das Ende der Zeitung.

Der Verkaufswille Murdochs kommt da wenig überraschend - ebenso wenig wie die Tatsache, dass sich kein Käufer findet.