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Musenkuss, adieu und tschüss

Von Reinhold Aumaier

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Für Brahms kamen die Ideen "wie momentane Blitze - nicht alle festzuhalten". Zeitgenosse Christoph Cech erzählt vom frümorgendlichen Komponieren unter nicht selten abenteuerlichen häuslichen Umständen, und Mahler war sowieso die inspirierte Extravaganz in Person. Mittendrin versucht Franz Schuh dem ursprünglichen Wortsinn der Inspiration lexikalisch auf die Schliche zu kommen. Das dieswöchige "Radiokolleg"-Vierterl namens "Der Kuss der Muse" von Mirjam Jessa war einmal mehr eine Fundgrube unterhaltsamer Belehrung. Äußerst unterhaltsam, und was die komplexe Materie Mann/Frau betrifft, auch einigermaßen lehrreich, kommt "Ally McBeal" daher. Am Dienstag ist bei Vox die neue Staffel der köstlichen Serie angelaufen. Mit allen nur denkbaren Sprachwerkzeugen - von der Pinzette bis zum Vorschlaghammer - werden die Seelen der Protagonisten bloßgelegt: diskutiert, zerpflückt und meist nur notdürftig wieder zusammengebaut. Die Moral von all den Geschichten: Das Leben geht automatisch mehr oder weniger halblustig weiter. Sehens-, hörens- und liebenswert!

Erfreulich auch der Anblick der neuen "Kulturzeit"-Moderatorin Tina Mendelsohn auf 3sat. Die paar Versprecher sind geschenkt, nicht aber der Abschiedsgruß "und tschüss!" Diese grausige, kasernenhof-knallige Verabschiedung übt ja längst auch in unseren Breiten groben Terror aus. Diese Verballhornung des französischen "adieu" möge raschest einsehen, dass es im Land des baba, servus, ciao und pfiat God nichts verloren hat. Oder graut uns nicht allein beim Gedanken, Robert Stolz hätte "Tschüss, mein kleiner Gardeoffizier" in Töne gesetzt, und nicht "Adieu , . . ", ganz fürchterlich?! Also: ciao-baba und pfiat eng God!