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Musharraf schließt Kopfschuss nicht aus

Von WZ-Korrespondentin Agnes Tandler

Politik

Präsident macht Bhutto selbst für ihren Tod verantwortlich. | Britische Ermittler sind wieder abgereist. | Scotland Yard ermittelt nicht zum ersten Mal in Pakistan. | Rawalpindi. Die Ermittler von Scotland Yard sind abgezogen, doch immer noch kommen Menschen zum Liaquat Bagh Park in Rawalpindi und bringen Kerzen und rote Rosenblätter zu der Stelle, wo die pakistanische Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto ermordet wurde. Sie könnte doch erschossen worden sein, hat Präsident Pervez Musharraf inzwischen eingestanden. Bhutto habe sich jedoch leichtsinnigerweise selbst in Gefahr gebracht, als sie ihren Kopf durch das Schiebedach ihres gepanzerten Fahrzeuges streckte, fügte er hinzu, der damit jegliche Verantwortung der Sicherheitskräfte vom Tisch wischte. Über eine Woche lang hielt das Innenministerium an der abenteuerlichen Version fest, Bhutto habe sich bei dem Anschlag am Sonnendach-Hebel ihres Wagens eine tödliche Kopfverletzung zugezogen - eine Darstellung, die in Pakistan müde belächelt wurde.


Toyota drohte mit Klage

Der Sinneswandel der Regierung kommt nicht von ungefähr, wie die pakistanische Zeitung "The International News" berichtete. Toyota, der Fabrikant von Bhuttos gepanzertem Land Cruiser F-6, habe gedroht, Pakistan vor einem internationalen Gericht zu verklagen, sollte die Regierung in Islamabad weiter auf ihrer Version beharren. Auch eine ähnlich fragwürdige Theorie, die von Bhuttos Volkspartei PPP aufgebracht wurde, wonach die charismatische Politikerin mit Laser-Strahlen getötet wurde, wird inzwischen ins Reich der Fabeln und Action-Filme verwiesen.

"Die Regierung hat sie umgebracht", erklärt ein Passant in Rawalpindi nüchtern. Die Ermittlungen von Scotland Yard seien nichts weiter als ein Ablenkungsmanöver. Andere sehen das ähnlich. Doch sicher ist nichts. Die PPP hat angekündigt, im Falle eines Sieges bei der Parlamentswahl im Februar die Vereinten Nationen um Ermittlungen zu bitten. Dass diese bessere Bedingungen vorfinden als die britischen Kollegen, ist kaum anzunehmen. Nicht einmal die Leiche von Bhutto ist bislang obduziert worden, um die Todesursache zu klären. Asif Ali Zardari, Bhuttos Ehemann, hat sich dagegen ausgesprochen. Er hält die Fachleute für befangen.

Scotland Yard ermittelt nicht zum ersten Mal in Pakistan. Die britischen Detektive waren auch in die Ermordung des ersten pakistanischen Premierministers Liaquat Ali Khan eingeschaltet, der 1951 an fast derselben Stelle wie Bhutto starb. Khan wurde auf einer öffentlichen Kundgebung von einem Zuschauer aus 15 Meter Entfernung mit zwei Schüssen in die Brust getötet; die Polizei soll den angeblichen Mörder sofort erschossen haben.

Die Londoner Polizei konnte damals den Fall nicht erhellen. Und auch im Fall Murtaza Bhutto, dem Bruder von Benazir Bhutto, der in Karachi auf offener Straße erschossen wurden, war Scotland Yard bei der Untersuchung um Hilfe gebeten worden. Die Ermittlungen verliefen im Sande. "Das gleichen wird auch jetzt passieren", vermutet ein Mann, der vor den Kerzen und Blumen für Bhutto steht. Er deutet auf den Tatort, der schon kurz nach dem Attentat von der Polizei gründlich gereinigt wurde. Selbst Musharraf hat schon eingestanden, dass die britischen Spezialisten keinen optimalen Bedingungen mehr vorfinden.