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Musharraf sieht sich als auserkorener Retter Pakistans

Von Can Merey

Politik

Machthaber auf der Suche nach demokratischer Legitimation. | Islamabad. (dpa) Pervez Musharraf mangelt es nicht an Selbstbewusstsein. In einem höchst unüblichen Schritt legte der pakistanische Militärmachthaber noch während seiner Amtszeit seine Autobiografie vor. "In the Line of Fire" - in der Schusslinie - heißt das Werk des Generals, der als Staatschef mindestens zwei Mordanschläge überlebte. Trotz des gefährlichen Jobs will sich der 64-Jährige am Samstag von einem Wahlmännerkollegium im Amt bestätigen lassen.


Musharraf, das ist nicht nur dem Buch zu entnehmen, hält sich für einen natürlichen Anführer, den das Schicksal dazu auserkoren hat, die Heimat zu retten. Er sei besessen von dem Gedanken, er sei der Retter des Vaterlandes, sagt ein westlicher Experte. Er sehe sich als eine Art Atatürk, der in der Zwischenkriegszeit die Türkei modernisierte und die Trennung von Staat und Religion festschrieb. Ein Atatürk aber sei Musharraf nicht. Letztlich sei er ein guter Mittelklasse-General, so das wenig schmeichelhafte Urteil.

Das sieht Musharraf, dem die Armee seine zweite Heimat ist, freilich ganz anders. Schon während seiner Schulzeit in Karachi stand fest, dass er Soldat werden sollte. Er besuchte die pakistanische Militärakademie - die beste der Welt, wie er in seinem Buch meint. Der junge Soldat legte trotz Schwierigkeiten mit der Disziplin eine steile Karriere hin. Die Militärlaufbahn führte ihn nach ganz oben: 1998 wurde Musharraf Armeechef.

Damals wurde der zivile Premier Nawaz Sharif ständig von Korruptionsvorwürfen begleitet. Viele Menschen hätten ihn damals gebeten, die Macht zu übernehmen, schreibt Musharraf. Im Oktober 1999 war es soweit. Musharraf nennt den Putsch einen "Gegen-Coup". Tatsächlich hatte Sharif seinen Armeechef in dessen Abwesenheit des Amtes enthoben. Einem Linienflugzeug mit dem ahnungslosen General an Bord ließ der Premierminister die Landeerlaubnis verweigern. Die Piloten wurden angewiesen, Pakistans Luftraum zu verlassen. Die Armee schritt ein, Sharif wurde ins Exil gezwungen. Musharraf setzte die Verfassung außer Kraft und übernahm die Macht.

In einem Plebiszit, bei dem es 2002 nach einem späteren Eingeständnis Musharrafs Unregelmäßigkeiten gab, ließ er sich für fünf Jahre als Präsident bestätigen. Wenige Monate zuvor hatten die Terroranschläge in den USA vom 11. September 2001 die Welt erschüttert. Nach Drohungen Washingtons entschloss sich Musharraf, den Taliban in Afghanistan die Unterstützung zu entziehen und sich an die Seite der USA im Kampf gegen den Terrorismus zu stellen. Aus Sicht der mächtigen Islamisten im Land wurde Musharraf damit zum Verräter und zur Marionette Washingtons.

Die Extremisten beließen es nicht bei verbalen Attacken. Im Dezember 2003 wurde der Vater zweier erwachsener Kinder gleich zweimal in nur elf Tagen Ziel von Anschlägen.

Doch der General machte sich nicht nur die Islamisten zum Feind. Als er im März den obersten Richter Iftikhar Chaudhry suspendierte, kam es zu Massenprotesten. Musharraf stand die Machtprobe nicht durch. Das Oberste Gericht zwang ihn im Juli, Chaudhry wieder einzusetzen.

Drei Tage vor der geplanten Wiederwahl setzten Musharrafs Gegner am Mittwoch alle Hebel in Bewwegung, um dies zu verhindern. Der Oberste Gerichtshof akzeptierte zwei Anfechtungen der Kandidatur und gab der Regierung einen Tag Zeit zur Erwiderung.

Bhutto: Gespräche mit Musharraf gescheitert

Die exilierte pakistanische Ex-Premierministerin Benazir Bhutto betrachtet die Gespräche mit Staatschef Pervez Musharraf über eine Machtteilung als gescheitert. Die Gespräche seien komplett eingestellt worden, sagte Bhutto in London. Meldungen aus Islamabad, wonach Korruptionsvorwürfe gegen sie fallen gelassen würden, bezeichnete die Vorsitzende der Pakistanischen Volkspartei (PPP) als Lüge. Ihr Lager habe andere Informationen.