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Musharrafs stärkste Gegnerin ist tot

Von Rainer Mayerhofer

Politik
Oppositionsführerin Benazir Bhutto bei einem ihrer Wahlkampfauftritte kurz vor Weihnachten. Foto: ap/Greg Baker

Widersprüchliche Meldungen über die Todesursache nach dem Attentat. | TV-Sender berichtet von Schüssen, Sprecher des Innenministeriums von Bombensplittern. | Wien/Rawalpindi. Die gefährlichste Gegnerin von Pakistans Staatspräsident Pervez Musharraf, die ehemalige Ministerpräsidentin Benazir Bhutto ist tot. Knapp zwei Wochen vor den für 8. Jänner angesetzten Parlamentswahlen wurde sie bei einem Anschlag auf eine Wahlkampfveranstaltung in Rawalpindi tödlich verletzt.


Zunächst lagen über den Anschlag und die Todesursache widersprüchliche Informationen vor. In ersten Berichten hatte es noch geheißen, Bhutto habe die Veranstaltung bereits vor der Explosion einer Bombe verlassen, die mehrere Menschen getötet habe, und sei unversehrt. Kurz darauf meldeten ein Parteisprecher und der Ehemann der Politikerin, dass sie doch verletzt worden sei und operiert werde. Knapp zehn Minuten später kam bereits die Todesnachricht. Unklar war vorerst auch noch die Todesursache. Es war sowohl von tödlichen Verletzungen durch Bombensplitter als auch von Schussverletzungen die Rede.

Schüsse nach Ende der Wahlveranstaltung

Nach Angaben eines Parteisprechers schoss der Attentäter auf Bhutto, als sie am Ende der Wahlkampfveranstaltung in ihr Auto steigen wollte. Anschließend sprengte er sich selbst in die Luft. Bhutto wurde in eine Klinik gebracht, wo sie kurz danach um 18.16 Uhr Ortszeit (14.16 Uhr MEZ) verstarb.

Es war dies der zweite Anschlag auf Bhutto seit ihrer Rückkehr aus dem Exil vor rund zwei Monaten. Am 18. Oktober war unmittelbar nach ihrer Heimkehr in Karachi ein Selbstmordanschlag auf ihren Auto-Konvoi verübt worden. Damals kamen annähernd 150 Menschen ums Leben. Bhutto entkam unverletzt.

Wütende Reaktionen der Anhänger vor Spital

Vor dem Krankenhaus, in dem Bhutto verstarb, versammelten sich Anhänger der Oppositionschefin. Einige traten vor Wut die Glastür am Haupteingang ein, andere brachen in Tränen aus. Viele bedachten den pakistanischen Staatschef Pervez Musharraf und politischen Gegner Bhuttos mit Schmährufen.

Der frühere Ministerpräsident Nawaz Sharif schwor vor der Klinik, er wolle den "Krieg" ihrer Anhänger fortsetzen. Bhutto und Sharif waren die längste Zeit Rivalen. Nachdem beide heuer aus dem Exil zurückkehrten, versuchten sie eine Annäherung gegen Staatschef Pervez Musharraf. Verhandlungen für einen gemeinsamen Boykott der Parlamentswahl scheiterten allerdings.

Präsident Pervez Musharraf berief eine Krisensitzung ein und rief die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren.

In ersten Reaktionen wurde der Mord an Bhutto weltweit verurteilt. Das amerikanische Außenministerium sieht darin einen Beweis, dass es noch immer Kräfte in Pakistan gibt, die eine Aussöhnung untergraben wollen. In Moskau zeigte sich das Außenamt besorgt über die Sicherheitslage in Pakistan.

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