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Musik kann wie eine Arznei wirken

Von Heiner Boberski

Wissen

Experten bestätigen wachsende Bedeutung von Musiktherapie. | Kongress "Mozart & Science 2008" im November in Wien. | Wien. Scheinbar teilnahmslose oder im Koma befindliche Patienten zeigen Reaktionen auf Klänge, fühlen sich beispielsweise beim Wiegenlied von Brahms wieder wie Kinder geborgen. Musik kann ein Heilmittel, aber auch ein Folterinstrument sein, wenn man ständig mit Melodien berieselt werde. Es gehe, so der Musiktherapeut Gerhard Tucek vom Institut für Ethnomusiktherapie in Niederösterreich, um das "individuelle Zugehen auf die Bedürfnisse von Menschen".


Dann können die Lebensgeister von Menschen, die man zwar physisch dem Tod "von der Schaufel" geholt habe, so der Wiener Intensivmediziner Klaus Laczika, die sich aber psychisch selbst aufgegeben hätten, wieder erwachen. Sie fangen an mitzusummen, zu singen oder mitzuzupfen. Dabei komme es überhaupt nicht darauf an, ob diese Personen von Haus aus musikalisch seien, betonte Tucek, mit der richtigen Musik - die für jeden eine andere sein könne - finden aber viele wieder zu sich selbst und zu einer heilsamen Entspannung, die gerade im Krankenhaus wichtig sei. Musik kann Intensivpatienten über Ängste und Stress hinweghelfen. Das vegetative Nervensystem, das im Zusammenspiel zwischen dem Stress-Bewältiger Sympathikus und dem Erholungsbringer Parasympathikus funktioniert, kommt ins Gleichgewicht.

In einem Pressegespräch in Wien würdigten der niederösterreichische Landesrat Wolfgang Sobotka und Experten das jüngst beschlossene österreichische Musiktherapiegesetz, das erste derartige Gesetz in Europa, das Ausbildung und Praxis der Musiktherapie regelt und mit 1. Juli 2009 in Kraft tritt. Sie wiesen auf Erfolge mit Musiktherapie und den von 16. bis 19. November in Wien stattfindenden Kongress "Mozart & Science 2008" hin, auf dem die Fortschritte der Wissenschaft auf diesem Gebiet thematisiert werden sollen.

Roland Haas, Präsident der 2003 gegründeten Imaraa (International Music and Art Research Association Austria), erinnerte daran, dass Österreich der Ausgangspunkt auf diesem inzwischen weltweit erforschten Gebiet war. Die interdisziplinäre Frage nach den Zusammenhängen zwischen Gehirn und Musik wurde erstmals 1973 auf den Seminaren von Juan G. Roederer beim Carinthischen Sommer gestellt. Beim Kongress im November werde man merken, wie viel seither an Forschung passiert sei, auch im Sinne von Prävention und Therapie. In wenigen Jahren, so Haas, werde es möglich sein, "mentale Gesundheit mit Musik zu steuern".

Dass Musik den Körper und die Gefühle stark beeinflussen kann, ist nicht neu. Der große Dirigent Herbert von Karajan wollte von der Forschung schon klären lassen, wieso mehrere Dirigenten bei bestimmten Musikstücken Herzattacken erlitten haben.

www.mozart-science.at