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Musik zum Anschauen

Von Hermann Schlösser

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Zwei Komponisten des 20. Jahrhunderts wurden vorgestern Abend im Fernsehen vorgestellt: Zum 100. Geburtstag porträtierte 3sat Kurt Weill, den Meister des anspruchsvollen "Songs". Am späteren Abend

dokumentierte "arte" die quälenden politisch-ästhetischen Kämpfe, die Dimitri Schostakowitsch gegen die rigide Kunstpolitik Stalins auszufechten hatte.

So verschieden diese beiden Themen voneinander sind, so sehr ähnelte sich die Machart der beiden Filme: Kollegen, Musikwissenschafter und Verehrer wurden befragt, dazu wurde historisches Filmmaterial

präsentiert, auf dem die beiden Komponisten selbst bzw. zeitgenössische Aufführungen ihrer Werke zu sehen waren.

Nun ist gegen diese wohlbekannte Darbietungsform nichts einzuwenden, wenn die Äußerungen der Befragten interessant und die historischen Aufnahmen aufschlussreich sind. Das war beide Male der Fall.

Das Weill-Porträt wartete noch mit einem Extra auf: Martin Schwab und Dörte Lyssewski lasen aus dem Briefwechsel zwischen dem Komponisten und seiner Ehefrau Lotte Lenya. Da die beiden ihr Handwerk

verstehen, hörte und sah man ihnen gerne zu. Überflüssig war allerdings der Versuch, Szenen aus dem Leben des Paares in Originalkostümen nachzuspielen. Die Authentizität, die damit fingiert werden

sollte, wurde nämlich von den originalen Filmdokumenten sofort widerlegt.