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Musikunterricht erleben können

Von Barbara Ottawa

Politik

Schule begegnet Universität und umgekehrt. Was für viele wie eine Utopie klingen mag, ist am Musikpädagogischen Zentrum (mpz) an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wirklichkeit. Durch die Schaffung eines Netzwerkes zwischen angehenden Ausbildnern und den Auszubildenden, soll "Bildung mitentwickelt werden", so Brigitte Lion-Slovak, eine der Initiatorinnen des mpz, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung ". Das sei eine wichtige Aufgabe der Universitäten.


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Einerseits bietet das mpz bereits unterrichtenden Lehrer-Innen die Möglichkeit, neue Unterrichtsmethoden kennenzulernen und diese in Kleingruppenarbeit auch aktiv zu erproben. Andererseits soll angehenden Lehrkräften dabei geholfen werden, den Schulalltag bereits während des Studiums kennenzulernen und eigene Projekte in der Praxis ausprobieren zu können.

Die erste Schiene des mpz besteht vor allem aus dem Universitätslehrgang "Berufsbegleitende Weiterbildung Musikpädagogik". Für einige

LehrerInnen sei es anfangs schwer, andere in ihr Revier zu lassen oder neue Methoden anzunehmen. Am Ende des einjährigen Lehrgangs seien alle "bekehrt", weiß Lion-Slovak.

In dem Lehrgang können die TeilnehmerInnen zwischen vier Modulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten auswählen: "accompagnato" behandelt Grundfragen der Gestaltung und Evaluation des Unterrichts. Bei "continuo" steht die innovative Praxis zeitgemäßer Vermittlung klassischer Musik im Mittelpunkt. "kaleidoskop" bietet innovative fachliche Fortbildung in Verbindung mit Supervision. "mosaik" ist auf die Qualitätssteigerung im Instrumentalunterricht ausgerichtet, von der Motivation über das Üben bis zur Performance.

Barbara Fiechter, Lehrerin an einer Unterstufe eines Gymnasiums und einer Musikschule, hat den Lehrgang absolviert und kann ihn KollegInnen nur weiterempfehlen. Besonders hilfreich war für sie die konstruktive und vom Lehrgangsleiter moderierte Evaluierung ihres Unterrichts durch die anderen KursteilnehmerInnen, berichtet Fiechter der "Wiener Zeitung". Die Fortbildung findet in "neutralen Räumen" statt, wie Lion-Slovak es nennt, denn sowohl die Universität als auch eine Schule könnte als "Territorium" angesehen werden.

Eine wichtige Stütze für Lehrkräfte ist am mpz auch das Netzwerk, dass immer größer wird. LehrerInnen können sich untereinander über Unterrichtsmethoden oder neue Entwicklungen austauschen. Sie können auch jederzeit beim mpz mit Fragen und Anregungen anklopfen. Eine LehrerIn, die auf der Suche nach speziellen Mikrophonen für eine Schulaufführung war, erhielt sofort Auskunft über drei Schulen, die möglicherweise aushelfen können. Stolz ist Lion-Slovak, die das Zentrum zusammen mit Christine Stöger betreut, auch auf die Kooperation mit einem Instrumentenhersteller. "Wir haben jetzt die Möglichkeit, eine ganze Klasse mit hochmodernen Mini-Keyboards auszustatten. Das bietet ganz neue Möglichkeiten im Unterricht."

Wie würden SchülerInnen reagieren, wenn . . .

Das mpz betreue aber auch angehende Lehrkräfte und fördere somit das "bedürfnisorientierte Lernen", so Lion-Slovak. Studierende, die den Schulalltag kennen lernen möchten, oder die eigene Projekte in der Praxis ausprobieren wollen, werden vom mpz "vermittelt". "Wir suchen Schulen, die ein solches Projekt schon selbst ins Auge gefasst hatten, oder die bereit sind, es auszuprobieren", erklärt Lion-Slovak.

So kam es, dass Mario Pecoraro sein Projekt "Jazz mit SchülerInnen" zu einer Einnahmequelle ausbauen konnte. Nach den ersten Erfolgen mit dem Rhythmus- und Jazzunterricht, wurde er vom mpz weiterempfohlen. Heute wird er von Schulen kontaktiert. "Die

LehrerInnen sehen durch solche Projekte einen neuen Zugang für die Arbeit mit Schü-lerInnen", so Pecoraro im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Gerade an Schulen, die keinen Musikunterricht haben - wie etwa berufsbildende Schulen, hat sein "Unterricht" Begeisterung hervorgerufen.

Musikerziehung ist wichtig

Dass der Musikunterricht dazu beitragen kann, die sozialen Fähigkeiten der SchülerInnen zu entwickeln, ist für alle Mitwirkenden am Projekt "Musikpädagogisches Zentrum" unbestritten. Doch sie wollen, dass der Musikunterricht als ein Fach angesehen wird, das nur um seiner selbst Willen existiert. "Musikerziehung wird schon bei den Dreijährigen groß geschrieben. Doch die Pubertierenden brauchen es auch!", warnt Lion-Slovak. Sie fordert deshalb, dass die Musikerziehung im Rahmen der Oberstufenreform einen fixen Platz behält.

Informationen auf der Homepage des Instituts für Musikpädagogik: http://www.mdw.ac.at/imp/