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Muskeln zeigen und trainieren

Von Georg Friesenbichler

Analysen

Bush muss Erfolge bei "Irakisierung" vorweisen. | Es war in Samarra, wo eine Explosion die den Schiiten heilige Goldene Moschee zerstörte. Wenn die Tat, wie dies die USA vermuten, von der Al-Kaida-Fraktion unter ihrem Führer Abu Musab al-Zarqawi mit dem Ziel begangen wurde, einen Bürgerkrieg im Irak anzuheizen, ist das Konzept der Terroristen voll aufgegangen. Hunderte Menschen kamen durch die Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten bereits ums Leben.


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Genau diese Region, zwischen Tikrit und Samarra, 100 Kilometer nördlich von Bagdad, ist nun Schauplatz einer aufwändigen Aktion von Truppen der Amerikaner und der Iraker. Zunächst war sie als größte Attacke seit Beginn des Einmarsches in den Irak - vor just drei Jahren - bezeichnet worden. Ein Reporter des Senders Al-Arabiya meinte allerdings über die Anfangsphase: "Es sind weniger Angriffe, sondern eher große Razzien."

Die USA haben allerdings Grund dazu, die Operation "Swarmer" (Schwärmer) groß zu reden. Zum einen will man die eigenen Muskeln spielen lassen und so die Eskalation der Gewalt zwischen den Bevölkerungsgruppen durchbrechen. Auch soll verhindert werden, dass sich im Herzen des sunnitischen Kernlandes eine neue Hochburg des Widerstandes etabliert, wie es im Jahr 2004 in der Stadt Falluja der Fall war. Bei den damaligen Kämpfen starben 1200 Menschen.

Wie in Falluja sind auch diesmal irakische Streitkräfte an der Operation beteiligt. Während damals aber die Amerikaner die Kampfeinsätze fast allein durchführten, sind nun mehrere Einheiten der irakischen 4. Division im Einsatz. Mit diesem Trainingseinsatz soll vorgezeigt werden, dass die heimischen Streitkräfte durchaus kampffähig sind - und es dient dem US-Militär wohl gleichzeitig als interner Test dafür, wie diese mit der Aufgabe fertig werden.

Die "Irakisierung" der Konflikte im Land ist für US-Präsident George W. Bush die Grundvoraussetzung dafür, dass die Zahl der US-Soldaten möglichst bald reduziert werden kann. Die Präsentation von Erfolgen auf diesem Weg hat Bush dringend nötig, verliert doch seine Irak-Politik immer weiter an Zustimmung in den USA.

Auf der Suche nach Auswegen ist man sogar zu Gesprächen mit dem Iran bereit - und anerkennt damit de facto trotz gegenteiliger Beteuerungen den Einfluss, den der Erzfeind auf seine schiitischen Glaubensbrüder im Irak hat.