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Muslime fordern: Islamlehrer sollen Deutsch sprechen

Von Stefan Beig

Politik

Kritik von Aleviten und Kemalisten an Islamischer Glaubensgemeinschaft. | Vorwurf: Schlechte Lehrer-Ausbildung. | Wien. Scharfe Kritik an Österreichs offizieller Islamvertretung kommt von den größten islamischen Gruppierungen im Lande. Vor allem heißt es, dass die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) Islamlehrer unzureichend ausbilden würde.


Riza Sari etwa, Vorstandsmitglied der alevitischen Gemeinde in Wien, schickt seine Kinder nicht mehr in den Islamunterricht. "Die meisten Religionslehrer haben keine österreichische pädagogische Ausbildung und sprechen im Unterricht Arabisch. Ich möchte meinen Sohn in einen Islamunterricht schicken, in dem der Lehrer Deutsch spricht."

Bisher kam solche Kritik vor allem vom Islamischen Informations- und Dokumentationszentrum (IIDZ). Dessen Präsident, Davud Bajramovic, nennt drei Islamlehrer in Oberösterreich, die schlecht oder gar nicht Deutsch sprechen. Zwei weiteren fehle jede pädagogische Ausbildung. Mehrere Muslime hätten bereits ihre Beschwerden beim IIDZ vorgebracht.

Glaubensgemeinschaft weist Kritik zurück

Carla Armina Baghajati von der IGGiÖ bestreitet die Vorwürfe. "Dass im Islamunterricht Arabisch gesprochen wird, ist Unsinn. Deutsche Sprache im Unterricht ist ein ganz großes Anliegen der IGGiÖ." Ab kommendem Studienjahr wird es an der Uni Wien auch einen Masterstudiengang "Islamische Religionspädagogik" geben, der Islamlehrer für höhere Schulen in Österreich ausbildet.

Auch von Österreichs größter türkisch-islamischen Vereinigung kommt Kritik an der Ausbildung der Religionslehrer. "Demokratie, Friede und Toleranz müssen stärker in den Vordergrund," sagt Harun Özdemirci, Vorsitzender von Atib, der Türkisch-Islamischen Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich mit 75.000 Mitgliedern.

Baghajati weist auf Atibs Anbindung an die Türkei hin. Die IGGiÖ verstehe sich hingegen "als österreichische Institution. Wir respektieren andere Einstellungen, aber wenn die Bindung an die Ursprungsländer zu stark ist, entsteht ein Interessenkonflikt."

Die 60 in Österreich wirkenden Atib-Vorbeter werden in der Türkei ausgebildet. Das von Atib vermittelte Islamverständnis beschreibt die deutsche Islamexpertin Hildegard Becker als "den vom türkischen Staat kontrollierten sunnitischen Islam."

"Imame können nur in der Türkei lernen"

Für Özdemirci ist gerade der türkische Islam fortschrittlich: "Die Türkei hat im Gegensatz zu anderen islamischen Ländern eine laizistische und demokratische Regierung. Man kann Imame nur in der Türkei in diesem Sinn ausbilden."

Die Imame von Atib besuchen in der Türkei einen sechsmonatigen Kurs, der sie über Sprache und Kultur des Landes, in das sie geschickt werden, unterrichtet. Künftig sollen aber in Europa aufgewachsene Jugendliche "in der Türkei Theologie studieren und nach Studienabschluss wieder zurückgeschickt werden", sagt Özdemirci.