Zum Hauptinhalt springen

Muslime streiten über Wahl ihrer Vertretung

Von Werner Reisinger

Politik

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 7 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Wien. In der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) liegt offenbar einiges im Argen. Eigentlich hätten die österreichischen Muslime am Sonntag den 19. Juni ihr wichtigstes Gremium, den Schurarat, und vor allem einen neuen Präsidenten wählen sollen. Doch der Wahltermin wurde - zum wiederholten Mal - verschoben.

Vor allem das neue Islamgesetz sorgt in der IGGiÖ für Streit. Nach dessen Beschluss wurde in der IGGiÖ eine Verfassungsänderung notwendig, weshalb der Wahltermin verschoben werden musste. Aufgrund des Islamgesetzes muss in der IGGiÖ bis spätestens 26. Juni die Konstituierung des neuen Schurarates erfolgen - ansonsten könnte der Glaubensgemeinschaft seitens der Regierung ein Kurator beigesellt werden.

Fuat Sanac tritt nicht an

Der aktuelle Präsident der IGGiÖ, Fuat Sanac, wird kein weiteres Mal kandidieren. Sanac wird von vielen Muslimen für das Zustandekommen des neuen Islamgesetzes heftig kritisiert. Laut der Sprecherin der IGGiÖ, Carla Amina Baghajati, wirke das Gesetz dem Ziel der Etablierung eines österreichischen Islams entgegen. Es organisiere die Muslime nicht mehr regional, sondern nach ethnischer Herkunft, so Baghajati am Freitag im Ö1-Morgenjournal.

Am Samstagnachmittag zeichnete sich laut Angaben der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) ab, dass doch nur Ibrahim Olgun (28; *1. September 1987) für deren Präsidentschaft kandidieren wird. Die Wahl findet am Sonntag in Wien statt. Olgun soll Fuat Sanac nachfolgen, dieser hat am Freitagabend über seinen Rückzug informiert.

Aufgrund des neuen Islamgesetzes befürchten andere Gruppierungen eine
Dominanz der türkischen Community und der Vertretungen Atib (Nähe zur
türkischen Regierung) und Islamische Föderation (Milli Görüs). Wäre
Olgun Präsident, müsse er sich am Ziel messen, die Glaubensgemeinschaft
unabhängig zu gestalten, so Baghajati.