Zum Hauptinhalt springen

Muss vorm Walde ÖBB bald verlassen?

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Pro forma ist Rüdiger vorm Walde noch ÖBB-General, de facto ist nicht einmal mehr seine Zukunft als designierter neuer Chef des Personenverkehrs gesichert. Denn seit November wird im Aufsichtsrat beraten, unter welchen Bedingungen der Deutsche die ÖBB noch im Jänner verlassen könnte. Nachdem vorm Walde erst im September vom Generaldirektor zum Personenverkehrvorstand degradiert wurde, mehren sich jetzt die Anzeichen, dass auch dort sein Sessel wackelt.


Anfang des Jahres soll vorm Walde seine neue Position als Vorstand des Personenverkehrs beziehen, die ihm im September von der Politik zugewiesen wurde. Sein Nachfolger an der ÖBB-Spitze wurde der ehemalige Porr-Vorstand Martin Huber. Doch ob vorm Walde seinen neuen Job bis zum Auslaufen seines Vertrages Mitte 2006 ausführen darf, ist äußerst ungewiss. Seitens mancher Politiker wie Spitzenmanager der ÖBB wird die vorzeitige Ablöse des Preussen verlangt. Doch dieser denkt nicht daran, sofort aufzugeben. Er steht auf dem Standpunkt, er habe einen gültigen Vertrag und will ihn auch erfüllen.

Knapp vor dem heiligen Abend gab es ein Gespräch zwischen Wolfgang Reithofer, Aufsichtsratsvorsitzender der ÖBB-Holding, Fredmund Malik, Aufsichtsratsvorsitzender der Personenverkehrs AG und vorm Walde, um den Vertrag per Ende Jänner aufzulösen. Dies wurde vom Verkehrsministerium bestätigt. Doch angeblich will Verkehrsminister Hubert Gorbach vorm Walde nicht um jeden Preis loswerden, denn die vorzeitige Vertragsauflösung und eine Abfertigung könnte sehr teuer werden. Diese Gagendiskussion will der Vizekanzler tunlichst vermeiden, weshalb der Abgang des ÖBB-Generals noch nicht fix ist.

Ein lukratives Angebot, wonach er weiterhin als "ÖBB-Berater" beschäftigt bleibt und dafür weitherhin sein Jahresgehalt von 480.000 Euro (inklusive 25%igem Erfolgsprämie) kassiert, hat vorm Walde bisher abgelehnt.

Als Favoritin für die Nachfolge im Personenverkehr gilt die Postbus-Chefin Wilhelmine Goldmann. Sie hatte sich im Sommer um das Amt beworben und ihr werden reale Chancen eingeräumt. Dass die "Busfrau" den ÖBB-Nahverkehr übernehmen soll, wird jedoch von einigen Bahnexperten skeptisch beurteilt. Sie fürchten, dass mit ihr das großes "Streichkonzert" bei den Nebenbahnen beginnen könnte - noch rascher als unter jedem anderen Vorstand. Denn im kommenden Jahr wird dieReform des Personenverkehrs beschlossen. Die Finanzierung der Regionalbahnen wird komplett geändert: Künftig soll das Geld nur noch von den Ländern kommen, auch eine Beteiligung der Länder an einzelnen Bahnunternehmen wird möglich. Goldmann war in diese Diskussion bereits eingebunden und sie ist weitgehend auf Regierungslinie.

Die dreieinhalb Jahre des 58-jährigen Deutschen vorm Walde an der Spitze der ÖBB waren jedenfalls von Glücklosigkeit geprägt. Von Anfang an habe es ihm an Gestaltungswillen gefehlt, so Bahnexperten. Sie vermissten auch eine Strategie für die Positionierung am europäischen Markt. Während die deutsche Bahn in Europa auf Einkaufstour ging, waren die ÖBB lediglich mit Interna beschäftigt und dadurch weitgehend blockiert. Grund dafür war nicht nur vorm Waldes fehlendes Konzept, sondern auch die Reform, durch welche die ÖBB in zehn Gesellschaften geteilt wurden, samt einhergehender Personaldiskussion.