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"Müssen Regierung Chance geben"

Von Eva Stanzl

Wissen
FWF-Chefin Ehrenfreund: "Grundlagenforschung tragende Säule dieses Innovationssystems."
© Strasser

Zuversicht im größten Fonds zur Förderung der Grundlagenforschung.


"Wiener Zeitung": Als Präsidentin des Wissenschaftsfonds reihen Sie sich nicht in die Kritiker der Zusammenlegung von Wissenschafts- und Wirtschaftsressort ein, sondern sehen Chancen. Welche?Pascale Ehrenfreund: Ich nehme die Vorbehalte sehr ernst. Es ist klar, dass die Scienctific Community beunruhigt ist und vor der Ökonomisierung der Wissenschaft warnt. Doch ich muss mit der angelobten Regierung arbeiten und ich will gut mit ihr zusammenarbeiten. Das sind wir den Wissenschaftern, die wir fördern, schuldig. Außerdem muss ich ausreichend Budget bekommen, um unsere Programme abzudecken.

Die Großwetterlage sieht schlecht aus: Auf der Homepage des Finanzministeriums sind Schulden von 133 Milliarden Euro ausgewiesen.

Gerade jetzt, wo sich zwei Ministerien zusammenschließen und sich ein Strukturwandel vollzieht, sind neue Initiativen ganz wichtig - etwa in Richtung translationaler Forschung. Wir haben vor einigen Wochen detaillierte und äußerst gerechtfertigte Budgetanfragen an die Regierung eingebracht und wir werden hart darum kämpfen.

Um mit neuen Produkten in der Innovationskette gut aufgestellt zu sein, müssen wir die Grundlagenforschung intensiver fördern: Das wäre ein ermutigender Satz, stünde er im Regierungsprogramm. Doch die Grundlagenforschung ist dort gar nicht extra erwähnt. Wie zuversichtlich stimmt Sie das?

Wenn ich die Politiker an ihren Aussagen der letzten Tage messe und mir den Widerstand gegen die Abschaffung des Wissenschaftsministeriums vergegenwärtige, bin ich zuversichtlich, dass der Druck sie in die richtige Richtung lenkt. Außerdem haben Regierungsmitglieder eindeutig erklärt, dass die Forschung ein ernst zu nehmendes Zukunftselement sei. Man sollte also nicht von vornherein sagen, das wird nichts.

Kennen Sie Ihren neuen Minister?

Ich habe ihn noch nicht kennengelernt. Doch er hat gesagt, dass er eine Gesprächsbasis mit den Forschungsverantwortlichen möchte. Daran nehmen wir gerne aktiv teil. Die Distanz zwischen Politik und Wissenschaftsverantwortlichen ist in Österreich zu groß. In anderen Ländern gibt es engere Beziehungen. Weil die Innovationskette viele Glieder hat, hoffe ich auf mehr Dialog auch bei uns, sodass wir gemeinsam Dinge überlegen können, die am besten sind für Österreich.

Was wäre am besten für den FWF?

Für den FWF ist ein stabiler Wachstumspfad am wichtigsten mit einer jährlichen Budgetsteigerung (für Projekt-Personal, Anm.) von zehn Prozent und Overheads (für Räume und Geräte in Forschungsprojekten) von 20 bis 50 Prozent. Weiters wollen wir risikoreiche Forschung und radikale Innovationen fördern, die sonst nicht finanziert würden in Österreich, und die Internationalisierung fördern.

Wirtschaftsminister Mitterlehner will Wissenschaft und Grundlagenforschung gleichwertig mit der Wirtschaft unter ein Dach integrieren und "die gesamte Innovationskette abbilden". Wie groß ist die Gefahr, dass Grundlagenforscher künftig eher populärere Fragen stellen, die schnelle Resultate bringen, damit sie leichter an Fördergelder kommen und nicht aus der Innovationskette rausfallen?

Die Gefahr sehe ich nicht. Laut der EU-Forschungsstrategie "Europa 2020" muss "jedes Glied in der Innovationskette gestärkt werden, von der experimentellen Forschung bis zum Markt". Grundlagenforschung ist eine tragende Säule dieses Innovationssystems. Wenn man sie wegnimmt, bricht die ganze Innovationskette zusammen. Ich denke daher nicht, dass sich jemand wirklich gegen die Grundlagenforschung aussprechen kann oder möchte, denn jeder, der sich nur ein bisschen damit befasst, weiß, dass alle zusammenarbeiten müssen, damit sich die Kette schließt. Zudem hat der neue Minister betont, dass die Grundlagenforschung frei bleibt und ich muss mich damit zufrieden geben und anfangen, mit ihm zusammenzuarbeiten, um den FWF als zentrale Förderorganisation einzubringen. Man muss dieser Regierung eine Chance geben. Ich sehe Interesse, Dinge zu verwirklichen, egal mit welchem Ministerium.

Wichtig ist ein gutes Resultat, egal welches Ministerium zuständig ist?

Ich komme aus den USA und bin seit September FWF-Präsidentin, beginne meinen Job also mit einer neuen Regierung und kannte nicht, was früher war. Keineswegs würde ich behaupten, dass es mir egal ist, ob ich mit einem Wirtschafts- oder einem Wissenschaftsministerium zusammenarbeite. Jedoch macht die Art und Weise, wie die Zusammenführung präsentiert wurde, klar, dass die Regierung die Forschung als echtes Zukunftselement haben will.

Anton Zeilinger, Präsident der Akademie der Wissenschaften, fordert eine Namensänderung in "Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft" als Zeichen. Was halten Sie davon?

Ich halte eine Umbenennung auch für eine gute Idee, da man immer im Ausland beurteilt wird und das gäbe ein gutes Bild. Noch wichtiger ist aber, wie sich die Inhalte entwickeln.



Einen Einbruch gibt es bei den Mitteln der Nationalstiftung: 2014 wird die Stiftung 38,7 Millionen Euro in die Forschung investieren oder um 58 Prozent weniger als heuer. Könen Sie damit leben?

Heuer bekamen wir 20 Millionen Euro - 2014 sind es noch respektable 12 Millionen und wir müssen zufrieden sein. Die Differenz sollte teilweise von der öffentlichen Hand wettgemacht werden, aber da müssen wir halt eben noch verhandeln.