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Mut, aber kein Übermut

Von Sonja Ebhart-Pfeiffer

Gastkommentare

Fünf Geldtipps für ein erfolgreiches Jahr 2020.


Ein ereignisreiches Finanzjahr geht zu Ende. Ob Brexit-Chaos, Handelskrieg, Nullzinspolitik oder Klimawandel mit ESG-Boom - obwohl das Jahr 2019 für Anleger wesentlich besser startete, als 2018 geendet war, ließen Negativ-Schlagzeilen nie lange auf sich warten, und Investoren mussten teils starke Nerven beweisen. Allerdings ist der Aufreger von heute bekanntlich schon morgen der Schnee von gestern. In diesem Sinne sind hier fünf finanzielle Neujahrsvorsätze, um ihr Geld erfolgreich durch das Jahr 2020 zu manövrieren:

Alter und Schwankungen
müssen sich vertragen

Wer die Frage nach der eigenen Risikoneigung mit "All in!" beantwortet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er zwar sehr viel gewinnen, aber kurzfristig auch sehr viel verlieren kann. Bevor ein potenzieller Anleger erstmals Wertpapiere kauft, sollte er sich Gedanken darüber machen, welches Ziel er mit der Geldanlage verfolgt. Wenn später die Altersvorsorge aufgestockt oder das Studium der Kinder finanziert werden soll, muss an der Börse eine andere Taktik angewendet werden, als wenn es um kurz- und mittelfristige Ziele geht. Die individuellen finanziellen Möglichkeiten spielen dabei die größte Rolle. Ein anderer Aspekt ist das Lebensalter: Generell lässt sich sagen, dass junge Erwachsene im Vergleich zu Menschen im fortgeschrittenen Alter etwas höhere Schwankungen vertragen, da die Zeitspanne bis zum Ruhestand länger ist.

Gier ist bei Investitionen
ein schlechter Berater

Auf der Jagd nach möglichst hohen Renditen neigen insbesondere unerfahrene Privatinvestoren oftmals dazu, herbe Verluste einzufahren, indem sie nur das tun, was andere, vor allem professionelle Marktteilnehmer, bereits lange vor ihnen getan haben. Der Herde folgend, tendieren sie dazu, einzusteigen, wenn die "Börsenparty" bereits vor ihrem Ende steht. Der Run auf Immobilien-Investments kurz vor Beginn der Finanzkrise ist hierbei nur eines von vielen Beispielen. Nach dem Motto "Gier ist gut" sollten Börsen-Neulinge jedenfalls nicht handeln. Anleger sollten zusammen mit ihrem Berater eine Strategie finden, die zu den jeweiligen finanziellen Zielen sowie Verhältnissen passt, und diese beibehalten, auch wenn Kursschwankungen auftreten. Wer sich daran hält, hat schon halb gewonnen.

Im Leben gibt es
nichts geschenkt

Stellten Investoren früher stärker den Renditeaspekt in den Vordergrund, so ist es seit 2008 vor allem ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis, das die Anleger führt. Obwohl das vergangene Jahr ein historisch niedriges Zinsniveau mit sich gebracht hat und das Geld auf dem geliebten klassischen Sparbuch mehr denn je verkümmert, scheut sich der österreichische Anleger nach wie vor, sein Erspartes in Aktien anzulegen. Nur 6 Prozent der Österreicher besitzen Aktien, das ist im internationalen Vergleich sehr wenig. Wer sein Vermögen wachsen sehen möchte, muss aber zwangsläufig etwas Risiko - das aber gut kalkuliert ist - in Kauf nehmen. Die Aussicht auf eine höhere Rendite geht immer mit Kursschwankungen einher.

Weg mit den
Scheuklappen

Wer frei nach dem Prinzip "Mir wird schon nichts passieren" in den Tag hinein lebt, wird mit ziemlicher Sicherheit im Laufe des Lebens böse Überraschungen erleben. Themen wie langfristige Liquiditätsengpässe, Krankheiten oder Todesfälle sind unangenehm, aber omnipräsent. Angesichts der staatlichen Defizite, des demografischen Wandels und der niedrigen Zinsen ist beispielsweise Altersarmut ein großes unangenehmes Thema. In den meisten Umfragen zum Thema Geld betonen die Konsumenten, im Alter keine allzu großen finanziellen Abstriche machen zu wollen. Um allerdings monatlich 1.000 Euro zusätzlich zur staatlichen Pension zur Verfügung zu haben, gilt es, zuvor ein Vermögen von rund einer halben Million Euro aufzubauen, besagt eine Faustregel. Wer erst mit Mitte 30 mit der Vorsorge für den Lebensabend beginnt, muss sehr hohe monatliche Beträge zur Seite legen, um das zu schaffen. Junge Menschen - und vor allem jene, die vorhaben, eine Familie zu gründen - müssen sich früh genug auch mit unangenehmen Szenarien auseinandersetzen.

Wissen ist Macht - schlechte Beratung kann teuer werden

In Zeiten, in denen man online binnen weniger Minuten einen bankfähigen Haushaltsplan erstellen oder einen Robo Advisor befragen kann, ist gute Beratung rar, und für schlechte Beratung wird im Nachhinein teuer bezahlt. Je komplexer die eigenen Vermögensfragen, desto wichtiger ist es, einen Experten zu konsultieren. Bei der Auswahl des richtigen Betreuers sind neben Fachwissen, Objektivität und Integrität auch Zusatzausbildungen sowie Zertifizierungen - wie beispielsweise jene zum zertifizierten Finanzplaner - ausschlaggebend. Finanzbildung ist dabei der beste Konsumentenschutz. Obwohl niemand im Leben vor Enttäuschungen gefeit ist, lassen sich bestimmte Fehlschläge vermeiden, indem man sich ein Grundlagenwissen in Finanzfragen aufbaut. Da das heimische Bildungssystem dem Thema Finanzbildung wenig Aufmerksamkeit schenkt, ist jeder Einzelne gefordert, die Initiative zu ergreifen.