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Mutmaßliche Aliyev-Opfer im Media Quarter

Von Barbara Sorge

Politik

Abgesagte Pressekonferenz mutmaßlicher Aliyev-Opfer fand doch statt.


Wien. Knapp drei Stunden vor einer Pressekonferenz zur Causa des früheren Botschafters Kasachstans in Wien, Rakhat Aliyev, wurde diese abgesagt. Nicht vom Veranstalter der Pressekonferenz, dem "Auslandsbüro der Opposition Kasachstan - Koordinierungsstelle für demokratische Bewegung und Menschenrechte in der Republik Kasachstan. Sondern vom Betreiber der Marx Media Vienna, Christian Bodizs, in dessen Räumlichkeiten die Pressekonferenz stattfinden sollte.

Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" betont er, dass er sich "belogen und getäuscht", gefühlt hätte. Zuvor hätten die Veranstalter ihm gegenüber gesagt, es ginge um "(fehlende) Umsetzung der Commitments im Rahmen der OSZE durch Kasachstan". Durch eine Aussendung der Veranstalter erfuhr Bodizs, dass es stattdessen um angebliche kriminelle Verwicklungen von Aliyev gehen sollte. "Ich bin belogen worden", deshalb sagte er die Pressekonferenz ab. "Die Marx Media Vienna kann aus Sicherheitsgründen ihre Räumlichkeiten nicht für Pressekonferenzen in politisch umstrittenen Fällen zur Verfügung stellen", so Bodizs in der Aussendung zur Absage.

Serik Medetbekov, der Sprecher der Koordinierungsstelle, vermutet hinter der Absage allerdings den Druck von Aliyev, mit dem Bodizs bekannt sei. Er war verwundert, dass es in einem demokratischen Land möglich sei, eine Pressekonferenz einseitig abzusagen, noch dazu, wo die Rechnung bereits beglichen gewesen sei. Sie wollten aber absichtlich die Veranstaltung im Media Quarter Marx abhalten, da Aliyev hier Liegenschaften hätte - die Frau des ehemaligen kasachischen Botschafters in Wien ist über eine Holding (die A. V. Maximus Holding AG) an der VBM Beteiligungsmanagement GmbH beteiligt, die in Sachen MQM 3 (einem Gebäudekomplex im Media Quarter) der private Partner der Stadt ist. Dies und der Umstand, dass die genauen Eigentumsverhältnisse zunächst nicht bekannt waren, hatte der Stadt einiges an Kritik eingebracht.

"Informationsrecht für alle"

Die Pressekonferenz fand dann doch statt, in einem anderen Lokal am Gelände, dem "East End". Das Medieninteresse hielt sich nach der Absage allerdings in Grenzen. Karin Kraml, Geschäftsführerin des Lokals, sagte zur "Wiener Zeitung", sie hätte die Anfrage am Vormittag bekommen und natürlich zugesagt. Was das Thema sei, hätte sie nicht nachgefragt: "In einer Demokratie gibt es ein Informationsrecht für alle." Dass es um Aliyev ginge, hätte sie nur gerüchteweise im Lokal aufgeschnappt.

Es ginge ihnen darum, einen Appell an die Gesellschaft zu richten, um Unterstützung in ihrem Kampf gegen Aliyev zu bekommen. Außerdem sollten politische Kreise angesprochen werden, damit diese Einfluss ausüben können, um "solche Sachen", wie sie ihnen passiert seien, in Zukunft zu verhindern, sagte Medetbekov. Die Redner waren zu dritt, ein weiterer Sprecher, der kasachische Unternehmer Rafik Sotkimbaev, sei vor wenigen Tagen bei einem "mysteriösen Autounfall" auf einer Schnellstraße der kasachischen Stadt Almaty umgekommen, so Medetbekov.

In Österreich wollen die mutmaßlichen Aliyev-Opfer - neben Medetbekov auch Petr Afanasenko und Kasym Pasanbegovic - das Einfrieren der Vermögenswerte erreichen und Entschädigung für Vertreibung, jahrelange Haft und verlorenes Eigentum durchsetzen.