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Mütter und ihre Ost-Töchter: Eine ambivalente Beziehung

Von Sissi Eigruber

Wirtschaft

Austausch statt "Scheinwelt für die Holding". | Pressburg. "Wir haben hier von Anfang an eine sehr große Selbständigkeit gehabt", meint Johann Beranek, der seit 15 Jahren die Geschäfte von Porsche Slovakia leitet.


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Das Mutterunternehmen, die Porsche Holding Austria, hatte einerseits wohl großes Vertrauen in die Führungsmannschaft des slowakischen Tochterunternehmens, andererseits aber auch einfach noch keine Erfahrung im Umgang mit Ost-Töchtern. Eine Ausgangsposition, in der sich auch heute viele österreichische Klein- und Mittelbetriebe befinden, welche sich nach und nach auf die zentral- und osteuropäischen Märkte wagen, meint dazu Oliver Wichtl vom Management Zentrum St. Gallen im Rahmen einer Veranstaltung der österreichischen Außenhandelsstelle in Bratislava. "Die Firmen haben keine Erfahrung in der Steuerung von Töchtern". Die Grundsatzfrage laute: "Wie viel Autonomie ist sinnvoll?" Die Steuerung der Tochterunternehmen erfolge im wesentlichen durch die Vorgabe von strategischen Zielen und jenen von Finanzkennzahlen. Die Innovationskraft, die in den Töchtern vorhanden ist, werde dabei oft zu wenig berücksichtigt. Auch der Wissensaustausch zwischen den Töchtern und der Mutter komme oft zu kurz, so Wichtl. Förderlich dafür seien zum Beispiel gemeinsame Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen oder Job Rotations. Meist beschränke sich der Austausch auf das schicken von angeforderten Berichten. Damit entstehe eine eigene "Berichtswelt" - eine "Scheinwelt für die Holding", meint der Managementberater.

Heute kenne die Porsche Holding Austria das Potential ihrer einzelnen Töchter gut, so Beranek. So wurde etwa der Geschäftsführerposten für die Neugründung in Rumänien mit einem Abteilungsleiter aus der Slowakei besetzt.