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Mutterkreuz für Mördermütter

Von Christian Ortner

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Dass nächste Woche wenn alles gut geht die Palästinenser in Gaza und im Westjordanland so etwas wie ein palästinensisches Parlament wählen werden, ist keine schlechte Nachricht. Denn ohne ausreichend legitimierte Vertretung der Palästinenser gibt es keine sinnvolle Gesprächsbasis mit Israel. Eskaliert aber der Konflikt mitten in den Spannungen mit dem Iran, dem Aufstand der Terroristen im Irak und der längst nicht gebannten Al-Kaida-Gefahr, wird alles möglich, was lieber unmöglich sein sollte. Sogar der sonst betont gelassene britische Star-Historiker Niall Fergusson hat dieser Tage in einem Essay über die Wahrscheinlichkeit einer thermonuklearen Auseinandersetzung im Nahen Osten innerhalb der nächsten zwei Jahre spekuliert, was nicht wirklich beruhigend ist.


Keine gute Nachricht ist, dass bei diesen grundsätzlich notwendigen Wahlen der Palästinenser vermutlich die radikale Hamas die stärkste politische Kraft werden wird. Noch schlechter ist freilich die Nachricht, was für Leute da auf der vermutlich siegreichen Hamas-Liste kandidieren und Chancen haben, die Palästinenser künftig politisch zu vertreten.

Zum Beispiel: Eine Frau namens Um Nidal. Die Dame war in der Gegend vor drei Jahren durch ein TV-Video bekannt geworden, in dem sie sich freudig von ihrem 17-jährigen Sohn verabschiedet, den sie mit einem Sprengstoffgürtel nach Israel schickt mit der mütterlichen Ermahnung: "Du darfst nicht zurückkommen außer als Märtyrer", also als einer, der zuerst ein paar Juden ermordet und sich dann in die Luft sprengt.

Nachdem das brave Kind seine Mission wie von Mutti angeordnet ausgeführt und den Märtyrertod gefunden hatte, schickte Frau Nidal offenbar auf den Geschmack gekommen auch ihre drei verbliebenen minderjährigen Söhne auf die nämliche Reise ins Jenseits. Was ihr prompt einen Ehrentitel der Palästinenserregierung einbrachte ("Al-Khansa der Palästinenser") und zur Folge hatte, dass fünf Mädchenschulen (in den Orten Jenin, Bethlehem, Nablus, Khan Yunis und Rafah) nun nach der künftigen Frau Abgeordneten und stolzen Mutter von vier Mörder-Kindern benannt sind.

Die Europäische Union setzt ihre ganze Hoffnung und ganz nebenbei Milliarden Euro darauf, mit solchen Leuten irgendwie zu einem Frieden im Nahen Osten zu kommen. Realistischer scheint angesichts solcher Personalien freilich, was der Schriftsteller Leo de Winter schreibt: "Die palästinensische Gesellschaft westliche Medien und Politiker suchen das zu leugnen ist eine Ansammlung von tribalen, religiösen und kriminellen Familien und Banden."

Die Geschichte der Mutter Nidal scheint jedenfalls darauf hinzudeuten, dass de Winter eher Recht hat als die Europäische Union.

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