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Mutterliebe und Empörung

Von Andreas Rauschal

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Im Jänner des Jahres 2009 sorgte Nadya Suleman (erstmals) für Schlagzeilen: Die damals 33-jährige US-Amerikanerin gebar Achtlinge - eine Sensation. Noch nie überlebten alle Säuglinge eine solche Mehrlingsgeburt.


Als bekannt wurde, dass die alleinerziehende und arbeitslose Mutter bereits zuvor sechs Kinder zur Welt gebrachte hatte - wie die Achtlinge entstanden auch sie durch künstliche Befruchtung -, entdeckte die Öffentlichkeit ihre moralinsaure Ader. Zeugnisse der Neidgesellschaft: Suleman würde auf Kosten des Steuerzahlers leben. Als emanzipierte Frau, in deren Lebensplanung ein Mann keinen Platz haben will, waren ihr zusätzliche Anfeindungen gewiss. Die für die RTL-Doku "Extra Spezial: Zwischen Windeln und Wahnsinn!" interviewten Nachbarn sprachen in entsprechendem Duktus von einer "Schande für die Nation". Auch zahlreiche Morddrohungen soll die Mutter erhalten haben.

Tatsächlich hinterließ die Sendung einen fahlen Nachgeschmack. Zum einen enttarnte sie (wenn auch nebenbei und unbeabsichtigt) die geifernde Öffentlichkeit, die RTL vorsichtig, aber immerhin, mit um Entlarvung bemühtem Kamerablick unterstützte. Subtext: Vorsicht, Rabenmutter! Andererseits erlebte man Suleman als Kontrollfreak, der Hilfe von außen nur schwer annehmen kann. Mit der Unterstützung nur eines Kindermädchens wird es tatsächlich nicht leicht sein, 14 Kinder rund um die Uhr zu behüten.

Sulemans Erwerbsquelle, ihr Familienleben den Medien zu verkaufen, mag problematisch sein - und es geht sich nicht aus. Derzeit droht der Familie die Zwangsräumung. Die Öffentlichkeit reibt sich die Hände: Die Hölle, das waren schon wieder die anderen!