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Mythos und Realität

Von Christina Köppl

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Riesenrad, dunkle Kanalisation und die unverkennbare Zithermusik von Anton Karas: Sonntagnacht begab sich ORF 2 auf die Spuren des "Dritten Mannes".

Unter dem Motto "Crime made in Austria" stand die von Regisseur Frederick Baker spannend und ungewöhnlich gestaltete Dokumentation "Im Schatten des ,dritten Mannes'" rund um die Entstehungsgeschichte des Filmmeisterwerks aus der Nachkriegszeit auf dem Programm. Anlass war der 100. Geburtstag des britischen Schriftstellers Graham Greene, Autor von Buch und Film "Der dritte Mann".

Es gibt wohl kein besseres Zeitdokument, das Wien in der Nachkriegs- und Besatzungszeit nach 1945 detailgetreuer widerspiegelt als dieser Filmklassiker. Das zerbombte und hungernde Wien diente als Filmkulisse. Die Story vom Schieber Harry Lime, gespielt von Orson Welles, mag zwar erfunden sein, entsprach aber ganz der Nachkriegs-Realität.

In aller Welt, aber auch für viele Wiener prägte der Film das Bild der Stadt entscheidend mit. Aus dem leichtlebigen Wien des Walzertraums wurde ein Wien der schwarzen Kanäle und dunklen Gassen, das den Pessimismus jener Zeit zum Ausdruck brachte.

Versuchte die Dokumentation mittels Zeitzeugen und Originalschauplätzen noch, Licht in den legendenumwobenen Film zu bringen, so blieb letztlich die Erkenntnis, dass Fiktion und historische Fakten den "Dritten Mann" zu dem gemacht haben, was er bis heute geblieben ist: ein lebendiger Mythos.