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Nabucco-Pipeline erhält politische Unterstützung von Anrainerstaaten

Von Harald Waiglein

Wirtschaft

Fünf Länder unterzeichnen Grundsatzerklärung. | Wien. Es ist nach den Worten von EU-Energiekommissar Andris Piebalgs "eines der wichtigsten Vorhaben Europas im Energie-Bereich das erste große Infrastruktur-Projekt des noch jungen Jahrhunderts."


Die Rede ist von der Nabucco-Pipeline. Sie soll ab 2011 Erdgas in großen Mengen aus dem kaspischen Raum und dem Nahen Osten nach Europa bringen. Dabei läuft sie durch fünf Staaten: die Türkei, Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Österreich.

Um die Pipeline zu verwirklichen, haben Öl- und Gaskonzerne aus den fünf Staaten ein Konsortium gegründet. An diesem ist die österreichische OMV beteiligt, die ungarische Mol, die rumänische Transgaz, die bulgarische Bulgargaz und die türkische Botas.

Derzeit befindet sich das Projekt Nabucco noch in der so genannten Entwicklungsphase. Jetzt geht es darum, die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Wirtschaftlichkeit des Projektes sicherzustellen. Dafür ist politische Unterstützung in allen beteiligten Ländern erforderlich.

Baubeginn für

Nabucco im Jahr 2008

Exakt diese wurde am Montag in Wien gegeben: Die Energieminister der Türkei, Bulgariens, Österreichs, Ungarns und Rumäniens unterzeichneten bei einer Konferenz eine Grundsatzerklärung, die die Wichtigkeit der Nabucco-Pipeline für Europas Energieversorgung unterstreicht. Wenn alles gut geht, kann der Baubeginn der Pipeline im Jahr 2008 erfolgen.

Reinhard Mitschek, der Geschäftsführer der Nabucco Gas Pipeline International GmbH (jener Tochterfirma, die das Konsortium für den Bau der Pipeline gegründet hat), hält das Projekt wegen des raschen Wachstums der europäischen Gasnachfrage für unumgänglich.

"Derzeit verbraucht Europa rund 500 Mrd. m 3 Gas pro Jahr. Rund 300 davon müssen importiert werden. In zwei Jahrzehnten hingegen wird Europa rund 800 Mrd. m 3 Gas pro Jahr verbrauchen, während die Eigenproduktion von rund 200 auf etwa 120 bis 130 m 3 pro Jahr sinkt. Das heißt, die Lücke, die wir durch Importe füllen müssen, wird sich auf etwa 600 Mrd. m 3 verdoppeln", sagt Mitschek. Dazu brauche man eine Pipeline wie Nabucco, die bis an die Grenzen Aserbaidschans und des Irans reichen werde. Rechne man die Gasreserven aller Länder in der Region zusammen, liegen dort die größten Erdgasreserven der Erde.

Vier Prozent des

Bedarfs durch Pipeline

Im Endausbau, der vermutlich um 2020 abgeschlossen sein wird, wird Nabucco bis zu 31 Mrd. m 3 Erdgas nach Europa transportieren. Das macht sie zwar zu einer der leistungsfähigsten Gas-Pipelines der Welt; gemessen am Gesamtverbrauch der EU ist der Anteil dennoch gering. Über Nabucco werden nur etwa 4 bis 5 Prozent der gesamten Gasmenge transportiert werden, die in Europa verbraucht wird.