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Nach dem Abwrackboom kommt die wahre "Stunde null" für die Autobranche

Von Helmut Dité

Analysen

In Österreich verhinderte die sogenannte Ökoprämie ein Absacken des Pkw-Marktes, in Deutschland führte die - dort wesentlich großzügiger dotierte - Abwrackprämie für alte Autos sogar zu einem wahren Kaufrausch. Im Juni verzeichneten die Statistiker dort einen Anstieg der Neuzulassungen von mehr als 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. | Die Prämie hat die Absatzzahlen trotz der Wirtschaftskrise in neue Rekordhöhen geschraubt - mit bis zu 3,5 Millionen Neuwagen könnten heuer sogar so viele Autos wie noch nie bei unserem großen Nachbarn von den Höfen der Händler rollen.


Doch der Boom ist künstlich erzeugt, die eigentliche Krise der Auto-Industrie steht erst noch bevor. Experten warnen, der Branche drohe nach dem Ende des Abwrackbooms ein umso schwierigerer Konsolidierungsprozess: Zwischen 10 und 15 Prozent der rund 750.000 Jobs in Deutschland könnten wegfallen. "Die eigentliche Krise der Autoindustrie steht erst noch bevor - wenn die Anreiz-Programme der Regierungen auslaufen, ist die wahre Stunde null", heißt es in einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung AlixPartners.

Der Topf für die staatliche Abwrackprämie in Österreich ist schon leer, in Deutschland wird er es im Herbst sein. Der Deutschland-Chef der VW-Tochter Seat, Rolf Dielenschneider, erwartet dann für das nächste Jahr einen herben Einbruch der Neuzulassungen. Er befürchtet, dass die Zahlen vom heurigen auf das nächste Jahr um rund eine Million auf 2,6 Millionen abstürzen. Denn ein gutes Drittel der prämienbedingten Käufe sei vorgezogen. "Diese Fahrzeuge fehlen 2009 bei den Umsätzen und Margen."

Auch der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer prognostiziert als "Nachhall-Effekte" der Abwrackprämie eine Fortsetzung von Kurzarbeit und Kündigungen in der Branche. Beim Autohandel und auch bei vielen Zulieferern werde in den nächsten zwölf Monaten das Insolvenzrisiko weiter steigen.

Die Abwrackprämie überdeckt in Deutschland die schwere Krise, in der sich die Branche seit Monaten befindet. Weltweit ist die Autokonjunktur nach wie vor im Keller, der Markt im ersten Halbjahr schrumpfte um fast ein Fünftel.

Und die Industrie hat große strukturelle Probleme: Weltweit gibt es enorme Überkapazitäten, auf vielen wichtigen Märkten toben Rabattschlachten - der AlixPartners-Studie zufolge muss die Branche heuer pro verkauftem Auto im Schnitt rund 1800 Euro Verlust verbuchen.

Die Durststrecke wird lang, die Konsolidierung brutal, sagt die Studie: "Die globale Wirtschaftskrise hat einige Unternehmen der Autoindustrie nur schneller in das Ende der Sackgasse geführt - falsch abgebogen sind sie schon vorher."

Siehe auch:

Und wer kauft im Herbst?