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Nach dem Hochwasser: Investitionen in die Prävention

Von Kristalina Georgieva und Johannes Hahn

Gastkommentare
Kristalina Georgieva ist EU-Kommissarin für Internationale Zusammenarbeit, Humanitäre Hilfe und Krisenreaktion.

Die Stärkung der kollektiven Fähigkeit, mit Katastrophen umzugehen, und die Hilfe beim Wiederaufbau machen den europäischen Mehrwert aus.


Die jüngsten Hochwasser in Mitteleuropa haben alle Rekorde seit Beginn der Aufzeichnungen gebrochen. Hunderttausende Rettungskräfte haben rund um die Uhr gearbeitet, um ihren Gemeinden zu helfen.

Die Überschwemmungen von 2013 haben Erinnerungen an 2002 wachgerufen und sind ein Alarmsignal. Die weltweite Senkung der Treibhausgasemissionen und die Anpassung an den Klimawandel müssen Priorität bleiben. Naturkatastrophen nehmen an Heftigkeit und Häufigkeit zu, sodass immer mehr Menschen zu Schaden kommen. Allein die Sachschäden dieser Überschwemmungen belaufen sich auf mehrere Milliarden Euro. Dies trifft uns in wirtschaftlich schwierigen Zeiten besonders hart.

Naturkatastrophen dieser Größenordnung übersteigen die Kräfte einzelner Staaten und daher ist die Rolle der EU-Kommission von besonderer Bedeutung. Die Behörden der Mitgliedstaaten wurden über unser Notfallzentrum kontinuierlich mit Satellitenbildern und Echtzeitprognosen versorgt, sodass gezielt Hilfe geleistet werden konnte.

Angesichts zunehmender Katastrophen müssen wir den Katastrophenschutz auf europäischer Ebene optimieren. Die Kommission hat vorgeschlagen, dass die Mitgliedstaaten auf freiwilliger Basis Gerätschaften wie schwere Pumpen bereitstellen, die bei einem kollektiven europäischen Einsatz unmittelbar zur Verfügung stehen. Wir haben ferner angeregt, dass die EU-Mitgliedstaaten Risikobewertungen erarbeiten und austauschen. Darüber hinaus unterstützen wir internationale Übungen, Schulungen und den Austausch von Experten.

Nun beginnen die langwierigen und kostspieligen Aufräumarbeiten. Aus dem 2002 eingerichteten EU-Solidaritätsfonds können die Mitgliedstaaten Mittel für Sofortmaßnahmen abrufen.

Die Stärkung der kollektiven Fähigkeit, mit Katastrophen umzugehen, und die Hilfe beim Wiederaufbau machen den europäischen Mehrwert aus. Aber wir müssen auch in die Katastrophenprävention investieren.

Die Beschäftigung mit "Umweltrisiken" ist eine der Prioritäten der EU-Donauraum-Strategie. Im Rahmen der EU-Regionalpolitik in den Donauanrainerstaaten stehen von 2007 bis 2013 rund zwei Milliarden Euro für Investitionen in Hochwasserschutz und -prävention zur Verfügung. Damit konnten wichtige Projekte unterstützt werden: Das Europäische Hochwasser-Frühwarnsystem meldet seit 2012 frühzeitig Hochwasser-Vorhersagen. Im Rahmen des Projekts Danube Floodrisk erfolgte eine einheitliche Gefahren- und Hochwasserkartierung als erster Schritt auf dem Weg zu einem übergreifenden Hochwasserschutzplan.

Auf dem Erfolg dieser Art von Investitionen müssen wir aufbauen. Das Ausmaß dieser Katastrophe macht klar, dass wir den Katastrophenschutz in unsere Finanzplanungen einbeziehen müssen. Insbesondere müssen wir die Möglichkeiten nutzen, die die Donaustrategie den Nachbarstaaten bietet, gemeinsame Strategien auszuarbeiten. Die Europäische Kommission ist bereit, eng mit den nationalen und regionalen Behörden zusammenzuarbeiten. Wir stehen zwar vor immer größeren Problemen, aber wir sind nicht machtlos. Mit vereinten Kräften können wir kommenden Stürmen trotzen.