Zum Hauptinhalt springen

Nach dem US-Sparkurs gilt Europas Kauflust die Hoffnung der Ökonomen

Von Konstanze Walther

Analysen

Lange Zeit waren die USA die sogenannte Konjunktur-Lokomotive der Weltwirtschaft - nämlich die letzten zehn Jahre lang. Davor war Japan der Superstar der Weltwirtschaft: Manager aus den USA fuhren zu Seminaren nach Japan und vernahmen mit Staunen, wie produktiv man sein kann, wenn man nur zwei Wochen Urlaub im Jahr hat.

"Dann ist auf einmal die japanische Wirtschaft zusammengebrochen und hat sich seitdem nicht mehr erholt", erklärt Marcus Scheiblecker, Spezialist für internationale Wirtschaftsentwicklung am Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo. Er erinnert daran, dass es zuletzt immer wieder Kassandra-Rufer gegeben hat - nämlich, dass das US-Wachstum nur auf Pump finanziert ist. In der Wifo-Prognose von Anfang Juli wurde bereits damit gerechnet, dass sich das US-Wachstum von 2,9 Prozent 2010 auf 2,5 Prozent im heurigen und nächsten Jahr abschwächen werde. Wie sich das nunmehrige Sparpaket auf die US-Wirtschaft - und schließlich auf die Weltwirtschaft generell - auswirken wird, lässt sich noch schwer abschätzen.

Nach Experten-Meinung hatten die USA zum Schluss gar keine andere Möglichkeit, als zu sparen. Verzweifelt hatten die Vereinigten Staaten versucht, die Wirtschaft nach dem großen Krisen-Einbruch anzustarten - damit sie, wie gewohnt, zum Selbstläufer wird. Doch ein "Zündfunke" nach dem anderen blieb ohne Erfolg: Die großzügigen Staatsausgaben für die Wirtschaft und die Arbeitslosen halfen nicht. Die expansive Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank Fed half nicht - und auch nicht das Zinsniveau von null Prozent.

"Langfristig sollte sich der Sparkurs der USA auch für die Weltwirtschaft auszahlen. Kurzfristig müssen wir hoffen, dass uns das nicht allzu sehr auf den Kopf fällt", meint Scheiblecker. Denn noch ist schwer abzuschätzen, wo die USA tatsächlich ihren Rotstift ansetzen. Sollte es vor allem Militärausgaben betreffen, leidet "nur" die US-Wirtschaft darunter. Europa und die Exportwirtschaft müssen sich aber auf Zweitrundeneffekte gefasst machen. Die US-Amerikaner werden weiterhin weniger konsumieren - im Juni gingen erstmals seit zwei Jahren die Ausgaben der US-Verbraucher zurück.

Woher kommen dann die neuen Schrittmacher der Weltwirtschaft? Laut den Exportdaten ist sogar im Herzen von Europa ein neues pulsierendes Organ zu erkennen. Einstige Hartwährungsländer wie Deutschland bekommen langsam die Lust am Konsumieren. "Wir hoffen jedenfalls, dass in Europa die Binnenkonjunktur anspringt", meint Scheiblecker. Es sei an der Zeit, dass Deutschland nicht nur exportiert, sondern auch importiert.