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Nach der Expansion

Von Sophia Freynschlag und Simon Rosner

Wirtschaft

Baumax ist durch Osteuropa-Geschäft in Schwierigkeiten, Kunstsammlung Essl soll das Unternehmen retten.


Wien. Der Werbeslogan einer großen Baumarktkette klingt wie eine Verheißung für eine ganze Branche, die Realität ist aber eine andere. Denn offenbar gibt es eben doch nicht "immer was zu tun". Oder eben nicht genug für das umkämpfte Feld der Baumärkte. Im Vorjahr musste in Deutschland der drittgrößte Baumarkt, Praktiker, Insolvenz anmelden, der wie Baumax in mehreren europäischen Ländern tätig war, bis 2006 auch in Österreich.

Bei Baumax sei "die Situation derzeit kritisch", sagt Baumax-Sprecherin Monika Voglgruber, "aber der Konkurs droht nicht akut." Der Verkauf der Essl-Kunstsammlung "würde Baumax in der Restrukturierung einen guten Schritt voranbringen". Die Bankschulden bezifferte das Familienunternehmen aus Klosterneuburg im Herbst des Vorjahres mit 569 Millionen Euro, die eine Hälfte im Baumarktgeschäft, die andere im Immobilienbereich.

Auf dem Rückzug

Die Heimwerkerkette leidet vor allem unter der schlechten Entwicklung in Osteuropa. Schon in den frühen 1990ern, knapp nach der Wende, hatte die Essl-Familie zuerst in Tschechien und Ungarn, 1994 auch in der Slowakei Baumax-Standorte eröffnet. Rund zehn Jahre später folgte dann eine weitere Expansionswelle, diesmal in Richtung Bulgarien, Rumänien und der Türkei, allerdings blieben die Erwartungen dabei unerfüllt.

Derzeit ist Baumax mit 158 Märkten in neun Ländern präsent, ein Rückzug aus den verlustbringenden Ländern Türkei und Rumänien scheint jedoch fix. Eine endgültige Entscheidung darüber werde im Laufe des Frühjahrs getroffen, sagt Voglgruber: "Alle Standorte in jedem Land stehen auf dem Prüfstand." Nicht rentable Filialen sollen geschlossen werden. Auch in Kroatien und Bulgarien kriselt es. Zu den Kernländern zählen hingegen Österreich, Tschechien, die Slowakei und Ungarn, so Voglgruber.

Bis 30. September 2016 hat Baumax Zeit für den Restrukturierungsplan. Die Gläubigerbanken haben diese Frist im November um ein Jahr verlängert. Mit Anfang des Monats hat Michael Hürter, der bereits 2012 als Restrukturierungsexperte geholt wurde, als Vorstandsvorsitzender das Ruder übernommen. Der bisherige Chef Martin Essl zieht sich nach 30 Jahren operativer Tätigkeit in den Aufsichtsrat zurück.

Die Heimwerkerkette steckt seit Jahren in den roten Zahlen - 2012 hat sich der Nettoverlust der Baumax-Gruppe auf 126 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Für 2013 wurden noch keine Zahlen veröffentlicht, es drohen aber erneut Millionenverluste. "Umsatzmäßig war es ein schwieriges Jahr, nach einem langen Winter kam der verregnete Juni", erklärt Voglgruber. Der gesamte heimische Baumarkthandel hat die hohen Umsatzeinbußen zum Jahresstart 2013 bis Ende des Jahres nicht mehr aufgeholt. Der Umsatz der Branche schrumpfte nominell um 1,6 Prozent, gab der Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten bekannt.

Familienbetriebe im Trudeln

Mit Baumax ist ein weiteres österreichisches Familienunternehmen im Einzelhandel in Turbulenzen - die Möbelkette Kika/Leiner wurde im Vorjahr nach Finanzproblemen von der südafrikanischen Steinhoff-Gruppe übernommen. Eine Übernahme ist derzeit für Baumax jedoch kein Thema: Man führe derzeit keine Gespräche mit Investoren, so die Sprecherin.

Bei Baumax sieht Wolfgang Richter, Geschäftsführer von Regioplan, eine Mischung aus internen und externen Faktoren als Ursache für die Probleme: Gerade jene Länder, in denen Baumax expandiert habe, haben sich im Nachhinein am schlechtesten entwickelt. "Die Großwetterlage im Einzelhandel ist schwierig. Es häufen sich die Unternehmen, die in Schwierigkeiten geraten, auch wenn sie gut geführt sind."

Bei den Baumärkten gehe ein starker Wettbewerb und Konzentrationsprozess zulasten der Produktivität, heißt es in einer Analyse von Regioplan: Der Umsatz pro Quadratmeter ging seit 2008 deutlich zurück, von damals 2000 Euro pro Quadratmeter auf nunmehr 1600 Euro.

Größe gegen Umsatzeinbußen

Fast gleichzeitig mit dem Engagement von Baumax in Osteuropa kamen deutsche Anbieter nach Österreich, zuerst Hagebau, dann Hornbach und Ende der 90er Jahre Obi, das mit einem Franchise-Konzept binnen weniger Jahre zur Nummer drei in Österreich aufstieg. Gegen fallende Umsätze pro Quadratmeter ist ein Heilmittel Größe. Und so wuchsen die Geschäftsflächen, wobei auch der Wildwuchs an Fachmarktzentren seinen Beitrag dazu leistete.

Wie eine Erhebung von Regioplan 2012 ergab, verfügte damals ein durchschnittlicher Baumarkt bereits über 5600 Quadratmeter Verkaufsfläche, was der Größe eines Fußballfeldes entspricht. Schon damals hatte Regioplan auch eine Marktsättigung für die Branche registriert, auch wenn die Baumärkte durch den verstärkten Verkauf von Gartenartikeln Einbrüche in anderen Bereichen kompensieren konnten.

Gemessen an der Verkaufsfläche haben die sechs größten Baumärkte einen Marktanteil von weit über 90 Prozent, wobei die zwei österreichischen Bewerber die ersten beiden Ränge einnehmen. Dem zu Raiffeisen gehörenden Lagerhaus kommt dabei mit mehr als 650, jedoch kleinen Standorten eine Sonderrolle zu.

Wie in anderen Handelssparten haben auch die Baumärkte Konkurrenz aus dem Internet erhalten und, laut Regioplan, sehr spät darauf reagiert. Baumax will erst heuer im Frühling mit einem Webshop starten. Doch nun haben die Konzerne schon ihre riesigen Geschäfte. "Schlachtschiffe sind vieles, aber eines nicht: Sie sind nicht leicht und schnell zu bewegen", sagt Hanna Bomba-Wilhelmi, Geschäftsführerin von Regioplan.